Sonntag, 27. März 2022

Colin Crouch: "nostalgischer Pessimismus"

Ein Beitrag von Katharina Lander

Populistische Bewegungen haben in den letzten Jahren in Europa und den USA einen rasanten Aufstieg erlebt. Sie alle werfen der Demokratie vor, von Eliten missbraucht zu werden und dem Volk entfremdet zu sein. Besonders die Bewegungen des rechten Spektrums sind davon geprägt, einer romantisierten vergangenen Zeit nachzutrauern und mit Furcht und Skepsis in die Zukunft zu blicken. Dieses Phänomen beschreibt Colin Crouch in seinem Buch „Postdemokratie revisited“ (Suhrkamp 2021) als nostalgischen Pessimismus und bringt damit eine interessante Spezifizierung in den Fachjargon ein.

Nach Crouch sind nostalgische Pessimisten davon überzeugt, dass die Welt ein kleiner werdender Raum ist, in dem ihnen ihr Platz schrittweise streitig gemacht wird. Hierbei mischen sich in ihren Köpfen Bilder einer "guten alten Zeit" mit einer sich rasant ändernden, aus ihrem Blickwinkel negativen und ungewissen Zukunft. Das Zusammenspiel dieser Phänomene schürt Ängste und weckt einen Instinkt des Beschützens des Ist-Zustands beziehungsweise darüber hinaus des Wiederherstellens vergangener Verhältnisse. Hierbei fühlen sich die nostalgischen Pessimisten politisch immer weniger repräsentiert.

„Da die Parteien des Mainstreams nostalgischen Regungen keinen Platz einräumen und lieber für stete Veränderung und das werben, was sie jeweils für Fortschritt halten, füllen die neuen konservativen Bewegungen eine Marktlücke, indem sie - historisch zumeist fragwürdige – Bilder einer goldenen Vergangenheit heraufbeschwören und vor einer drohenden Invasion warnen, die „unsere“ heile Welt zerstören werde.“ (Crouch, S. 136)

Donnerstag, 18. November 2021

Film zum Thema Verschwörungstheorien

Die Landeszentrale für politische Bildung NRW hat vor wenigen Tagen einen rund 30-minütigen Film zum Thema "Verschwörungsmythen" veröffentlicht:


Dienstag, 16. November 2021

Vortrag von Butter zu Verschwörungstheorien

Die Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltet zusammen mit der VHS Nagold am Dienstag, den 7. Dezember 2021, um 19 Uhr einen Online-Vortrag zum Thema "Verschwörungstheorien in Zeiten von Corona". Vortragen wird Prof. Dr. Michael Butter, dessen Buch "Nichts ist, wie es scheint" zum Standardwerk avanciert ist (und nach wie vor bei der bpb für 4,50 € bestellt werden kann). Mehr Informationen und den Link zur Anmeldung gibt es hier...

Freitag, 12. November 2021

Online-Vortrag zur populistischen Herausforderung der europäischen Parteiensysteme

Im Rahmen einer Vortragsreihe des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung steht am 24. November 2021 ab 17:00 Uhr ein besonders vielversprechender Beitrag an. Catherine E. De Vries wird zum Thema "Political Entrepreneurs and Populism" sprechen. Der Vortrag wird als Online-Vortrag über Zoom durchgeführt und man kann sich bei folgender Mailadresse anmelden: info@mpifg.de

Zum Thema: The rise and fall of populist parties across Europe has attracted much attention. But is this a new phenomenon? In this talk, Catherine E. De Vries suggests not. Populist parties can be seen as a type of challenger parties, that is, political entrepreneurs without government experience seeking to disrupt the dominance of mainstream parties. She discusses how ongoing changes in European party systems compare with previous waves of challenger parties, including social democratic and green parties. She then presents the core strategies used by successful challengers, namely issue entrepreneurship and anti-establishment rhetoric, as they mobilize issues that give them an electoral advantage and attack the competence of the established political parties. Finally, she considers what the rise of challenger parties may mean for democracy in Europe.

Zur Person: Catherine E. De Vries is Professor of Politics in the Department of Social and Political Science and the Dondena Research Centre at Bocconi University in Milan. She has recently published a new book "Political Entrepreneurs: The Rise of Challenger Parties in Europe", co-authored with Sara B. Hobolt, with Princeton University Press.

Sonntag, 3. Oktober 2021

Identitäre Bewegung - Anno 2021

Aktionistisch und medienwirksam, diese zwei Schlagworte stehen seit der Gründung der Identitären Bewegung in Europa bzw. in Deutschland für das öffentliche Auftreten der rechtsextremen Gruppierung, welche nach wie vor versucht, primär Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen und zu mobilisieren. Seit ihrem öffentlichen Aktivwerden ist insbesondere ihr professionelles Medienerscheinen aus strategischer Sicht hervorzuheben, und so waren sie schon mehrfach in der Lage, die eigenen Aktionen in überregionalen Medien zu platzieren und generierten dadurch Reichweite weit über die bewegungseigenen Medienkanäle hinaus.

So besetzten rechtsextreme identitäre Aktivisten 2016 das Brandenburger Tor und entrollten Banner, um gegen die damalige Asylpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren (Deutschlandfunk 2016, S. 1). Darüber hinaus versuchen die „Identitären“ stets auch selbst die eigenen Aktionen medienwirksam auf der eigenen Identitären-Homepage oder in verschiedenen sozialen Netzwerken zu platzieren. Insbesondere Zweiteres wird allerdings durch Konto-Sperrungen für die Bewegung zunehmend schwerer, weswegen die „Identitären“ zum Teil auf alternative Kommunikationskanäle ausweichen müssen.

Nichtsdestotrotz gibt es noch immer, wenn auch nicht mehr so viele, reichweitenstarke IB-Kanäle, welche auf den gängigen Netzwerken eigene Aktionen inszenieren sowie diese fast schon heroisch darstellen. Hierzu kann unter anderem ein in Folge der nächtlichen Ausschreitungen im Sommer 2020 in Stuttgart im vergangenen Jahr öffentlicher Auftritt der Identitären Regionalgruppe Schwaben genannt werde, welcher von der Regionalgruppe auf YouTube hochgeladen wurde.

In der folgenden Arbeit soll aufbauend auf den bereits vorhandenen Blogbeiträgen nach dem Status quo der rechtsextremen Gruppierung in der Bundesrepublik gefragt werden und insbesondere das noch vorhandene Mobilisierungspotenzial beleuchtet werden. Zunächst werden die notwendigen ideologischen bzw. strategischen Grundlagen thematisiert, welche für die Nachvollziehbarkeit zwingend notwendig sind.

Hinsichtlich des Verständnisses muss festgehalten werden, dass lediglich die ideologischen Grundlagen noch einmal aufgegriffen werden, welche zur Einordnung des Wirkens und des noch herrschenden Potenzials der Gruppe notwendig sind. Um welche Art von Bewegung es sich bei der Identitären Bewegung handelt, kann in einem bereits veröffentlichten Blogbeitrag noch einmal nachgelesen werden. Auf eine erneute Darstellung wird an dieser Stelle bewusst verzichtet. Insbesondere der Abschnitt „Was ist die ´Identitäre Bewegung´?“ wird hierfür empfohlen.

Dienstag, 28. September 2021

Rechtspopulismus als Politik mit der Wut

In diesem Beitrag stellt Janis Rosenfelder folgenden Aufsatz vor:

Jaschke, Hans-Gerd (2019): Politik mit der Wut: Wie der Rechtspopulismus mit Emotionen die Demokratie bedroht; in: Außerschulische Bildung: Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung 2/2019, S. 20-26, online unter: https://www.adb.de/download/publikationen/190522_ab_2-2019_web.pdf.

Der Politikwissenschaftler Hans-Gerd Jaschke vertritt in dem Zeitschriftenartikel den Standpunkt, dass der Rechtspopulismus nicht nur zentrale demokratische Errungenschaften, wie zum Beispiel die repräsentative Demokratie und die Abgrenzung zum Nationalsozialismus, bedroht, sondern auch grundlegende Werte, unter anderem die Kompromissbereitschaft infrage stellt. Diese Tendenzen und Bedrohungen betreffen natürlich auch die politische Bildungsarbeit.

Zunächst betont Jaschke, dass die politische Arbeit im 21. Jahrhundert, insbesondere durch den immer größer werdenden Einfluss der Medien, untrennbar mit Emotionen verbunden ist und dass Wählerstimmen nicht allein durch überlegene Argumente gewonnen werden. Die Bedeutung der Emotionen im politischen Prozess wird in Form des „Wutbürgers“ auch im alltäglichen Sprachgebrauch deutlich.

Sonntag, 26. September 2021

Tea-Party-Bewegung in den USA

Der Rechtspopulismus ist in Europa inzwischen ein fester Bestandteil des Parteienspektrums geworden und erfährt hohe Aufmerksamkeit. Rechtspopulismus kann als Folge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse im Zuge der Globalisierung entstehen. Jedoch nicht nur in Europa existieren rechtspopulistische Parteien, Bewegungen und Strömungen. In den USA prägte die Tea-Party-Bewegung die politische Landschaft in den vergangenen Jahren.

Das Aufkommen der Bewegung, die radikale Varianten des Liberalismus und Konservatismus vertritt, kann als Höhepunkt eines Rechtsrucks der Republikaner nach der Wahl des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama gesehen werden (vgl. LpB BW 2020). Zu Beginn der Arbeit wird Ursprung, Struktur und Ideologie der Tea Party beleuchtet. Anschließend werden verschiedene Aspekte der Einflussnahme der Bewegung dargestellt.

Mittwoch, 8. September 2021

Studie zu AfD-Diskussionen auf Facebook

Vor wenigen Tagen ist eine Studie der gewerkschaftsnahen Otto Brenner Stiftung zum Thema "Rechtspopulismus und (Soziale) Medien" erschienen, die kostenlos zum Download zur Verfügung steht:

Zum Verhältnis von traditionellen Medien und AfD hat die Stiftung bereits vor einiger Zeit die folgenden Studien veröffentlicht:

Auf der entsprechenden Website steht zu den Studien:

"Die Hassliebe der AfD zu klassischen Medien ist Thema des OBS-Diskussionspapiers. Autor Bernd Gäbler analysiert die „double-bind“-Beziehung: Wie die AfD einerseits mit gezielten Provokationen und Tabubrüchen um die Aufmerksamkeit der Massenmedien buhlt, andererseits aber zugleich die Freiheit der Berichterstattung massiv attackiert. Das Papier identifiziert darüber hinaus einige „Fallen“, die die Berichterstattung über die AfD für Journalisten bereitstellt, z.B. die unbewusste Übernahme der Begriffe der Rechtspopulisten. Acht Handreichungen des Autors zu dieser und ähnlichen Problematiken sollen Journalisten in der Praxis Orientierung bieten und verhindern, dass diese zu unfreiwilligen Handlangern der Rechtspopulisten werden."

Mittwoch, 1. September 2021

APuZ-Ausgabe zum Thema "Verschwörungstheorien"

Passend und ergänzend zum letzten Posting ("Podcasts zu Verschwörungstheorien") befasst sich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ 35-36/2021) mit dem Thema "Verschwörungstheorien" und umfasst folgende Beiträge:

  • Michael Butter: Verschwörungstheorien: Eine Einführung - Verschwörungstheorien gibt es seit der Frühen Neuzeit. War er bis in die 1950er hinein weit verbreitet und akzeptiert, so ist der Verschwörungsglaube heute ein Randphänomen. Daran hat die Pandemie nichts geändert – sie hat ihn nur sichtbarer gemacht.
  • Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey: Sozialer Wandel, Sozialcharakter und Verschwörungsdenken in der Spätmoderne - Die gegenwärtige Konjunktur des Verschwörungsdenkens ist Resultat eines längerfristigen sozialen Wandels zur Spätmoderne. Das spätmoderne Individuum kann sein Leben autonom gestalten, sieht sich aber seiner sozialen Umwelt häufig ohnmächtig gegenüber.
  • Katharina Kleinen-von Königslöw, Gerret von Nordheim: Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken am Beispiel von QAnon - Soziale Netzwerke bieten die ideale Infrastruktur zur Verbreitung von Verschwörungstheorien. Diese diffundieren aus anonymen Imageboards algorithmisch verstärkt in den medialen Mainstream und profitieren dort von der Logik der Aufmerksamkeitsökonomie.
  • Georg Seeßlen: Zwischen Thrill und Paranoia. Verschwörungsfantasmen im Kino (und anderswo) - Man kann das Verschwörungskino mit politischen Krisen in Verbindung bringen. Wo einst Geheimbünde nach Geld oder Macht strebten, sehen wir heute einen globalisierten Verschwörungsbrei, der nach dem letzten trachtet, was uns geblieben ist: unserer Identität.
  • Jan Rathje: "Reichsbürger" und Souveränismus - Die "Reichsbürger" sind erst seit wenigen Jahren einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Ihre Ideologie baut auf einer langen Tradition aus antisemitischen und verschwörungsideologischen Denkmustern auf – und auf ihrer Verbindung mit dem Rechtsextremismus.
  • Samuel Salzborn: Verschwörungsmythen und Antisemitismus - Dass Verschwörungsmythen im Kontext der Corona-Pandemie offen antisemitisch formuliert werden, ist kein Zufall. Seit jeher ist Antisemitismus genauso strukturell verschwörungsmythisch aufgeladen, wie jeder Verschwörungsmythos strukturell antisemitisch ist.
  • Saba-Nur Cheema: Verschwörungserzählungen und politische Bildung - Im digitalen Raum werden Jugendliche früh und intensiv mit Verschwörungserzählungen konfrontiert. Um sie zur politischen Mündigkeit zu befähigen, muss politische Bildung heute auch im Digitalen ansetzen – und dabei klare Kante gegen Antipluralismus zeigen.

Sonntag, 8. August 2021

Podcasts zu Verschwörungstheorien

Bei der Analyse rechtspopulistischer Rhetorik bilden Verschwörungstheorien ein wichtiges Element, weswegen die Thematik in unseren Seminaren, in Haus- und Abschlussarbeiten sowie hier im Blog immer wieder behandelt wurde. Das schnell zum zentralen Buch für das Thema aufgestiegene "Nichts ist, wie es scheint" von Michael Butter kann übrigens nach wie vor bei der Bundeszentrale für politische Bildung für 4,50 € bestellt werden.

In diesem Beitrag soll es aber primär um Podcasts zum Thema gehen, und hier ragt der Vortrag "Die geteilte Wirklichkeit" von Eva Horn heraus (Deutschlandfunk Nova Hörsaal vom 20.06.2021). Die Literaturwissenschaftlerin führt den Werkzeugkasten der "Besserwisser" vor Augen, der sich bei den Klimawandelleugnern genauso findet wie in jüngerer Zeit bei den "Querdenkern" und Corona-Leugnern. Im Vortrag wird auch das lesenswerte Buch "Halbwahrheiten" von Nicola Gess erwähnt, zu dem es ebenfalls einen Podcast in Form eines Gesprächs mit der Autorin gibt (Deutschlandfunk Kultur Lesart vom 25.01.2021). Weitere empfehlenswerte Podcasts sind:

Um folgende Bücher geht es in den Podcasts:

     

Donnerstag, 5. August 2021

Rechtspopulismus und Zivilgesellschaft

In diesem Beitrag stellt Jonas Maier folgenden Text vor:

Schroeder, Wolfgang / Greef, Samuel / Ten Elsen, Jennifer / Heller, Lukas (2021): Rechtspopulismus und organisierte Zivilgesellschaft; in: Grande, Brigitte u.a. (Hrsg.): Zivilgesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland, transcript Verlag, S. 155-164, online unter: https://www.degruyter.com/document/doi/10.14361/9783839456545-013/html.

Der folgende Artikel fasst die zentralen Ergebnisse der Studie „Bedrängte Zivilgesellschaft von rechts. Interventionsversuche und Reaktionsmuster“ zusammen und geht den Fragen nach, welche Themen und Handlungsfelder rechtspopulistische Aktivitäten auszeichnen, welche Reaktionen die Organisationen auf rechte Interventionen zeigen und ob subsystemspezifische Muster und Reaktionen für diese existieren.

Zu Beginn wird aufgezeigt, dass rechtspopulistische Parteien in den letzten Jahren die etablierten zivilgesellschaftlichen Organisationen, die als essenzielle Bestandteile der Gesellschaft und einer pluralen Demokratie gesehen werden, zunehmend herausfordern. Beispielhaft wird hier die AfD genannt, die die Wichtigkeit der organisierten Zivilgesellschaft erkannt hat und nun zielstrebig versucht, „sich stärker in der Bürgergesellschaft zu verankern, um ein politisches Vorfeld zu etablieren“ (S. 155).

Mittwoch, 4. August 2021

Rechtspopulismus und Sprache: Von Unworten zu Untaten

In diesem Beitrag stellt Yutian Leiyang folgenden Aufsatz vor:

Bade, J. Klaus (2018): Von Unworten zu Untaten: Kulturängste, Populismus und politische Feindbilder in der deutschen Migrations- und Asyldiskussion zwischen „Gastarbeiterfrage“ und „Flüchtlingskrise“, Historische Sozialforschung, Supplement, No.30, Historische Migrationsforschung. Eine autobiografische Perspektive (2018), S. 338-350, online unter: https://www.jstor.org/stable/26419105.

Laut Bade existiert eine superdiverse Migrations- und Einwanderungsgesellschaft mit vielen Kultur- und Sozialprozessen. Hierbei unterscheidet er zwischen den Kulturpragmatikern/Kulturoptimisten und Kulturpessimisten/Kulturrassisten. Erstere sehen kulturelle Vielfalt als Implikation von Zu- und Einwanderung und halten dies für eine Selbstverständlichkeit.

Die andere Gruppe bezeichnet Bade als „[...] die schrumpfende, aber umso lauter protestierende Gruppe der Kulturpessimisten oder doch MultiKulti-Phobiker“ (Bade 2018, S. 339). Hierbei handelt es sich meist um ältere, aufrichtig besorgte Menschen, oder kulturalistisch argumentierende Angst- und Wutbürger. Ebenso findet man am „[...] rechten Rand auch eine Minderheit von meist jüngeren xenophoben und kulturrassistischen Radikalen und Extremisten“ (ebd. S. 339).

Dienstag, 3. August 2021

Rechtspopulistische Rhetorik und ihre Effekte

In diesem Beitrag stellt Celine Gawlitza folgenden Aufsatz vor:

Schnepf, Julia (2020): „Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe!“ – Rechtspopulistische Rhetorik und ihre Effekte auf In- und Out-Group-Ebene; in conflict & communication online, Vol. 19, No. 1+2/2020, online unter: https://regener-online.de/journalcco/2020/pdf/schnepf2020.pdf.

Der Aufsatz von Julia Schnepf beschäftigt sich mit der rechtspopulistischen Rhetorik und damit, wie diese sich auf die jeweilige Eigengruppe und die konstruierten Fremdgruppen auswirkt. Dabei zeigt Schnepf den Zusammenhang zwischen rechtspopulistischen Wahlkampagnen und den dadurch aufkommenden Vorurteilen gegenüber gesellschaftlicher Minderheiten auf.

Ihren Aufsatz beginnt Schnepf mit der Problemstellung rechtspopulistischer Rhetorik. Hierbei wird deutlich, dass die Populismusforschung sich in den vergangenen Jahren zwar mit den rhetorischen Merkmalen rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen beschäftigt hat, dabei aber den Effekten, die eine solche Rhetorik mit sich bringt, wenig Beachtung geschenkt wurde.

Samstag, 31. Juli 2021

Rechtspopulismus und Soziale Arbeit

In diesem Beitrag stellt Kilian Nitsche folgenden Text vor:

Milbrandt, Björn / Wagner, Leonie (2017): Pegida – Rechtspopulistische Bewegungen und die Folgen für die Soziale Arbeit; in: Soziale Passagen 8, 2/2017, S. 275-291, online unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s12592-016-0243-0.

Der Text beschäftigt sich mit dem Praxisbegriff der Sozialen Arbeit und deren Herausforderung durch das Erstarken rechtspopulistischer Parteien. Soziale Arbeit richtet sich nicht nur an Jugendliche und junge Erwachsene, die als Adressat*innen von rechten Ideologien gelten, sondern auch an Menschen, die in rechten Vorstellungen gar nicht mehr Teil der sozialen Welt sein sollten. Die Kernfrage von Wagners und Milbrandts Arbeit lautet: Welche Konsequenzen muss die Soziale Arbeit erleiden, wenn rechte Ideologien den gesellschaftlichen Diskurs sowie die politischen Entwicklungen in zunehmenden Maße beeinflussen?

Dienstag, 27. Juli 2021

Chronologie: Goldene Morgenröte (XA)

Dies ist ein Hintergrundtext von Panagiota Varvitsioti zu folgendem Eintrag in der Chronologie:

2012: XA zieht zum ersten Mal in das griechische Parlament ein

Die „Chrysi Avgi“ (Goldene Morgenröte) ist eine rechtsextreme Organisation, die seit Dezember 1980 zuerst als Zeitschrift und ab 1993 auch als Partei bestand. Im Jahr 2012 gelang es ihr, mit einem Prozentsatz von 6,97% als sechststärkste Kraft in einer außerordentlich fragmentierten politischen Landschaft in das griechische Parlament einzuziehen.

Im Jahr 2015 erreichte ihr Aufstieg seinen vorläufigen Höhepunkt, als die „Chrysi Avgi“ zur drittgrößten Partei im Parlament aufstieg. In den folgenden Jahren begann ihre Macht schleichend zu schwinden: Dem Scheitern der Partei bei den Parlamentswahlen von 2019 folgte die Verurteilung der „Chrysi Avgi“ als einziger Fall in der europäischen Nachkriegsgeschichte und deren Einstufung als kriminelle Organisation.

Rechtspopulismus und Massenmedien

In diesem Beitrag stellt Emilia Bauer folgenden Text vor:

Diehl, Paula (2018): Rechtspopulismus und Massenmedien. Eine explosive Mischung; in: Schellhöh, Jennifer u.a. (Hrsg.): Großerzählungen des Extremen. Neue Rechte, Populismus, Islamismus, War on Terror, transcript Verlag, S. 87-96, online unter: https://www.degruyter.com/document/doi/10.14361/9783839441190/html.

Paula Diehl thematisiert das Verhältnis zwischen Rechtspopulismus und Massenmedien. Dabei macht sie deutlich, dass im Zentrum des Populismus die Idee steht, dass die Macht dem Volk gehört. Politik soll Ausdruck des Volkswillen sein. Populismus idealisiert das Volk und zeigt eine Feindschaft zur Elite. Der Führer übernimmt hierbei die Stimme des Volkes (vgl. S. 88).

Donnerstag, 22. Juli 2021

Abstiegsängste als Ursache für Rechtspopulismus

In diesem Beitrag stellt Eva Birkmeyer folgenden Text vor:

Kohlrausch, Bettina (2018): Abstiegsängste in Deutschland: Ausmaß und Ursachen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus, Working Paper Forschungsförderung, Nr. 058, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf, online unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:101:1-2018040415754.

Die Autorin versucht in dem Paper, vor dem Hintergrund des Wahlerfolges der AfD in der Bundestagswahl 2017 die Frage zu beantworten, worin die Ursachen von sozialer Verunsicherung und Ängsten vor einem möglichen sozialen Abstieg liegen. Sie analysiert mithilfe von mehreren Befragungen die These, dass soziale Verunsicherung und Ängste ein wichtiger Treiber der AfD-Wahl seien. Sie beschreibt, dass das Erstarken der AfD häufig mit einer zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft erklärt wird. In Deutschland wurde laut Kohlrausch in mehreren Studien widerlegt, dass die AfD nur von einkommensschwachen und bildungsfernen Bevölkerungsgruppen gewählt wird. (vgl. S. 6).

Rechtspopulismus und Kirchen in Österreich

In diesem Beitrag stellt Johannes Kretz folgenden Text vor: 

Zulehner, Paul Michael (2017): Rechtspopulismus in Österreich; in: Ost-West Europäische Perspektiven OWEP 3/2017, online unter: https://www.owep.de/artikel/1135-rechtspopulismus-in-oesterreich, erweiterte Version: https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:926198/diss/Content/get.

In diesem Beitrag geht der Autor auf die Hintergründe und den Aufstieg des Rechtspopulismus in Österreich ein, wie dessen Impulse (auch angesichts der Flüchtlingskrise) bis in die Parteien der Mitte ankommen und wie die Antwort der Kirchen und ihrer Funktionäre auf diese Entwicklungen lauten. Bei dem Autor handelt es sich um einen emeritierten Professor der Universität Wien für Pastoraltheologie. Er gliedert seinen Vortrag in vier Kapitel:

  • ,,Aufstieg des Rechtspopulismus‘‘
  • ,,Auswirkungen der Ängste auf die Ansichten und Haltungen in der Flüchtlingspolitik‘‘
  • ,,Autoritarismus in Österreich von 1970 bis 2012‘‘
  • ,,Die Christen und ihre Kirchen in der Flüchtlingszeit‘‘

Rechtspopulismus und politische Bildung

In diesem Beitrag stellt Andrea Oelsner-Petz folgenden Aufsatz vor:

Besand, Anja (2017): Nach Pegida - Rechtspopulismus als Herausforderung für die politische Bildung; in: Bürger & Staat Heft 1/2017, online unter: https://www.buergerundstaat.de/1_17/rechtspopulismus.pdf.

Als Professorin für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität in Dresden stützt Besand ihre Schlussfolgerungen auf drei Beobachtungen in ihrem Arbeitsfeld. Die allgemeine Studienlage zeigt wertvolle Erkenntnisse zu Pegida selbst, deren Zusammensetzung, Organisationsstruktur und ebenso deren Mobilisierungspotentiale. Auch die politischen Vorstellungen der Teilnehmer*innen von Demonstrationen wie Pegida sind weitestgehend klar. Jedoch gibt es nur sehr wenig empirische Daten darüber, was denn nun im konkreten Praxisbezug ein angemessenes Bildungsangebot im Umgang mit Rechtspopulismus ausmacht. (vgl. S. 65) Und genau dieser Fragestellung widmet sich der Aufsatz.

Mittwoch, 21. Juli 2021

Anti-Gender-Diskurs des Rechtspopulismus

In diesem Beitrag stellt Anna Lena Binder folgenden Text vor:

Mayer, Stefanie (2021): Anti-Gender-Diskurse - vom „gesunden Menschenverstand“ zur „Politik mit der Angst“; in: Strube, Sonja A. / Perintfalvi, Rita / Hemet, Raphaela / Metze, Miriam / Sahbaz, Cicek (Hrsg.): Anti- Genderismus in Europa; transcript Verlag, S. 35-49; online unter: https://www.degruyter.com/document/doi/10.14361/9783839453155-003/html.

Mayers Beitrag beschäftigt sich mit der in den letzten 10 bis 15 Jahren immens gestiegenen Bedeutung von Anti-Gender-Diskursen als Strategie rechtspopulistischer Parteien und Gruppierungen. Ihre Analyse basiert auf Texten österreichischer Autor*innen und Gruppierungen sowie auf „Analysen der Bildung neuer, rechter, politisch-religiöser Allianzen im Rahmen von Anti-Gender-Mobilisierungen“ (S. 36).

Wer wählt die AfD?

In diesem Beitrag stellt Samuel Schaumann folgenden Aufsatz vor:

Hambauer, Verena / Mays, Anja (2018): Wer wählt die AfD? – Ein Vergleich der Sozialstruktur, politischen Einstellungen und Einstellungen zu Flüchtlingen zwischen AfD-WählerInnen und der WählerInnen der anderen Parteien; in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 12, S. 133-154, online unter: https://doi.org/10.1007/s12286-017-0369-2.

Der Aufsatz thematisiert die Wählerschaft der AfD und vergleicht deren Einstellungen und soziodemographische Daten mit der Anhängerschaft der etablierten deutschen Parteien anhand von Umfragedaten. Dabei werden insbesondere Differenzen bezüglich der Flüchtlingsthematik, den Ängsten und der Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik herausgestellt. Außerdem werden die unteren Gesellschaftsschichten als besonders bedeutende Gruppe unter den AfD-WählerInnen ausgemacht (vgl. S. 133).

Dienstag, 20. Juli 2021

Rechtspopulismus in Europa

In diesem Beitrag stellt Lukas Gotthelf folgenden Aufsatz vor:

Decker, Frank / Lewandowsky, Marcel (2017): Rechtspopulismus in Europa: Erscheinungsformen, Ursachen und Gegenstrategien; in: Zeitschrift für Politik 64 (1), S. 22-39, online unter: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0044-3360-2017-1-21/rechtspopulismus-in-europa-erscheinungsformen-ursachen-und-gegenstrategien-jahrgang-64-2017-heft-1.

In dem Artikel nehmen die beiden Autoren den Rechtspopulismus in Europa in den Blick. Zunächst beschäftigen sie sich mit der Frage, wie Populismus zu definieren sei, welche Besonderheiten Ideologie und Feindbilder aufweisen und wie sich der Populismus im Rahmen der gesellschaftlichen Entwicklung verhält. Anschließend widmen sie sich organisatorischen Merkmalen, der Rhetorik und grenzen Populismus von Extremismus ab. Schließlich nehmen Decker und Lewandowsky explizit Deutschland und Mittel- und Osteuropa in den Fokus und zeigen abschließend geeignete Strategien im Umgang mit Rechtspopulisten auf.

Montag, 19. Juli 2021

Rechtspopulismus und Frauen: AfD und FN im Vergleich

In diesem Beitrag stellt Kathrin Lehle folgenden Text vor:

Meyer, Birgit (2019): The Discreet Charm of Populism: The Role of Gender and Female Politicians in the AfD and Front National/Rassemblement National; in: Jörg Fischer / Kerry Dunn(Hrsg.): Stifeld Progress. International Perspectives on Social Work and Social Policy in the Era of Right-Wing Populism, Verlag Barbara Budrich, S. 71-86.

Die Autorin beginnt mit einer Erklärung, dass soziale Arbeit sich für Menschenrechte engagiert und sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzt. Soziale Arbeit braucht allerdings den Schutz des Staates und die Unterstützung demokratischer Institutionen und der Zivilgesellschaft. Genau diese demokratischen Institutionen und der Wert der sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit wären gerade durch rechtspopulistische Partien in Gefahr (vgl. S. 71).

,,Gender equality” steht im Mittelpunkt der Attacken. Gesetze zur Gleichstellung sind gefährdet, darunter zum Beispiel ,,Affirmative Action” in den USA, “Gender Mainstreaming” in Europa und Reformen zu Thematiken wie Abtreibung, Familiengesetze und Rechte der LGBTQI-Community, die Chancengleichheit ermöglichen (vgl. S. 71).

Sonntag, 18. Juli 2021

Rechtspopulismus und Religion

In diesem Beitrag stellt Carlotta Koch folgenden Text vor:

Hidalgo, Oliver / Hildmann, Philipp W. / Yendell, Alexander (2019): Religion und Rechtspopulismus; in: Argumentation Kompakt 3/2019, Hanns-Seidel-Stiftung, online unter: https://www.hss.de/publikationen/religion-und-rechtspopulismus-pub1422/.

In ihrem Artikel stellen die Autoren sechs Thesen zum Verhältnis von Rechtpopulismus und Religion vor, woraus sich ein konkreter Handlungsbedarf für die aktuelle Politik mit christlicher Verantwortung ableiten lässt.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Rechtspopulismus und Genderdebatte

In diesem Beitrag stellt Lena Eberle folgenden Aufsatz vor:

Küpper, Beate (2018): Das Thema Gender im Rechtspopulismus – empirische Befunde zur Anschlussfähigkeit bei Frauen und Männern; in: Femina Politica, 1/2018, S. 61-75, online unter:
https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v27i1.06.

Im Artikel geht es um die Zusammenhänge zwischen Rechtspopulismus und der Ablehnung des Konzepts Gender. Es werden empirische Befunde, mit besonderem Blick auf Frauen, dargestellt.

„Der Beitrag schließt dabei an die Beobachtung an, nach der Anti-Genderismus ein zentraler Bestandteil antidemokratischer, rechter Strömungen ist, über den althergebrachte Vorstellungen und Ansprüche von sozialen Hierarchien, von Vormachtstellung und Privilegien zwischen diversen sozial konstituierten Gruppen kommuniziert und implementiert werden. Dies wird derzeit in vielen europäischen Ländern deutlich.“ (S. 62).