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Donnerstag, 4. Juni 2026

Einschlägige Literatur bei der bpb

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat in den vergangenen Wochen mehrere für die Themen dieses Blogs einschlägige Bücher ins Programm aufgenommen, die man sich verbilligt bestellen kann (und sollte):

  • Martin Langebach (Hg.) (2026), Deutschlands radikale Rechte 1945 bis 2025 (für 7,50 € bestellbar)
  • Gernot Wolfram (2026), Kampfzone Kultur. Wie uns Populisten verführen (für 5,- € bestellbar)
  • Kolja Möller (2025), Volk und Elite. Eine Gesellschaftstheorie des Populismus (für 5,- € bestellbar)
  • Moritz Fischer (2025), Die Republikaner. Die Geschichte einer rechtsextremen Partei 1983-1994 (für 7,50 € bestellbar)
  • Richard Stöss (2026), Der rechte Rand Europas. Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 1979 bis 2024 (für 5,- € bestellbar)

Sonntag, 23. Juni 2024

Lektüreempfehlung zum Thema Antisemitismus

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" (APuZ 25–26/2024) widmet sich dem Thema Antisemitismus und umfasst folgende Beiträge:

  • [besondere Leseempfehlung:] JAN PHILIPP REEMTSMA:
    ANTISEMITISMUS – WAS GIBT ES DA ZU ERKLÄREN?
    Die Geschichte der Versuche, den Antisemitismus zu „erklären“, ist lang und unübersichtlich – und vergeblich. Letztlich ist er ein Angebot, Mitglied einer internationalen Ressentimentgemeinschaft zu sein und die Schranken der Zivilisation einzureißen.
  • TOM KHALED WÜRDEMANN: ISRAEL UND DER ANTISEMITISMUS
    Seit einigen Jahren läuft eine Kontroverse um zwei Antisemitismusdefinitionen. In historischer Betrachtung haben beide größere Unschärfen, derer man sich bei der Beurteilung politischer Ereignisse und Erscheinungsformen des Antisemitismus bewusst sein sollte.
  • MARINA CHERNIVSKY / FRIEDERIKE LORENZ- SINAI: DER 7. OKTOBER ALS ZÄSUR FÜR JÜDISCHE COMMUNITIES
    Antisemitismus durchdringt das Leben der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden in vielfacher Hinsicht. Dies gilt nochmals verstärkt seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. Wie haben Jüdinnen und Juden diesen Tag erlebt und welche Bedeutung hat er für sie?
  • SINA ARNOLD / MICHAEL KIEFER: ANTISEMITISMUS IN MUSLIMISCHEN COMMUNITIES UND ANTIMUSLIMISCHER RASSISMUS
    Vorstellungen eines spezifisch „muslimischen Antisemitismus“ bergen die Gefahr einer ungerechtfertigten Pauschalverdächtigung. Sowohl Antisemitismus als auch antimuslimischer Rassismus müssen ernst genommen werden, egal von wem sie ausgehen.
  • DEBORAH SCHNABEL: ANTISEMITISMUS IN DIGITALEN RÄUMEN
    Wer den heutigen Antisemitismus verstehen will, muss sich mit den Logiken, Merkmalen und Wirkweisen unseres postdigitalen Zeitalters auseinandersetzen. Alle bekannten Motive des Antisemitismus tauchen auch im Digitalen auf. Politische Bildung muss sich darauf einstellen.
  • MATTHIAS J. BECKER: ANTISEMITISCHE KOMMUNIKATION IM INTERNATIONALEN VERGLEICH
    Im Forschungsprojekt „Decoding Antisemitism“ wird in den Blick genommen, wie in Kommentaren auf Youtube- und Facebook-Profilen von deutschen, britischen und französischen Medien auf den 7. Oktober 2023 reagiert wurde: vielfach mit antisemitischer Hassrede.
  • NIKLAS FISCHER: ERINNERUNGSKULTURELLE DEUTUNGSKÄMPFE VON RECHTSAUẞEN
    Die Neue Rechte sieht im Holocaust-Gedenken die Ursache einer negativen deutschen Identität, die es durch eine „erinnerungspolitische Wende“ zu überwinden gelte. Sie inszeniert sich als Opfer einer „Zivilreligion“. Antisemitismus verortet sie ausschließlich bei anderen.
  • ALEXANDER ESTIS: SHOAHPPROPRIATION
    Immer wieder wird der sogenannte Judenstern missbraucht, um sich selbst als Opfer zu inszenieren. Diese Aneignung evoziert jedoch nicht nur das eigentliche Vergleichsmoment, das Opfertum, sondern ebenso antisemitisch-verschwörungstheoretische Weltbilder.

Sonntag, 8. August 2021

Podcasts zu Verschwörungstheorien

Bei der Analyse rechtspopulistischer Rhetorik bilden Verschwörungstheorien ein wichtiges Element, weswegen die Thematik in unseren Seminaren, in Haus- und Abschlussarbeiten sowie hier im Blog immer wieder behandelt wurde. Das schnell zum zentralen Buch für das Thema aufgestiegene "Nichts ist, wie es scheint" von Michael Butter kann übrigens nach wie vor bei der Bundeszentrale für politische Bildung für 4,50 € bestellt werden.

In diesem Beitrag soll es aber primär um Podcasts zum Thema gehen, und hier ragt der Vortrag "Die geteilte Wirklichkeit" von Eva Horn heraus (Deutschlandfunk Nova Hörsaal vom 20.06.2021). Die Literaturwissenschaftlerin führt den Werkzeugkasten der "Besserwisser" vor Augen, der sich bei den Klimawandelleugnern genauso findet wie in jüngerer Zeit bei den "Querdenkern" und Corona-Leugnern. Im Vortrag wird auch das lesenswerte Buch "Halbwahrheiten" von Nicola Gess erwähnt, zu dem es ebenfalls einen Podcast in Form eines Gesprächs mit der Autorin gibt (Deutschlandfunk Kultur Lesart vom 25.01.2021). Weitere empfehlenswerte Podcasts sind:

Um folgende Bücher geht es in den Podcasts:

     

Mittwoch, 9. Juni 2021

Rezension zu Robert Misik: Die falschen Freunde der einfachen Leute

Misik, Robert (2019), Die falschen Freunde der einfachen Leute, Suhrkamp. 

Rezension

Autor: Lukas Böhm 

In diesem Essay beschäftigt sich Robert Misik mit dem „einfachen Volk“, welches immer wieder von den Politkern enttäuscht wird. Die Rechtspopulisten, aber auch Rechtsextremisten, nutzen diese Unzufriedenheit für sich aus und geben sich als die Stimme des Volkes aus. Doch wer genau gehört zu diesem Volk der „einfachen Leute“ und wodurch zeichnen sich diese Menschen aus? Mit diesen Themen befasst sich Robert Misik in seinem Werk.

Dienstag, 18. Mai 2021

"Rechtsaußen" von Cas Mudde bei der bpb

Seit heute gibt es das hervorragende Buch "Rechtsaußen. Extreme und radikale Rechte in der heutigen Politik weltweit" von Cas Mudde, das u.a. in der Rechtspopulismus-Vorlesung als Pflichtlektüre dient, als Lizenzausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Dort kann man es für 4,50 € bestellen. Die (treffende) Beschreibung auf der bpb-Website liest sich folgendermaßen:

"Nach 1945 blieben Parteien und Bewegungen am äußersten rechten Rand innerhalb und außerhalb Europas lange Zeit ohne Bedeutung. Mit der Jahrtausendwende, so der Politikwissenschaftler Cas Mudde, habe sich das geändert: Die Terroranschläge des 11. September 2001, die Finanzkrise und Fluchtbewegungen wirkten als Katalysatoren, die der äußersten Rechten global Zulauf bis in die Mitte der Gesellschaften brachten. Mudde wendet sich zunächst der Ideologie und den Themen der äußersten Rechten zu, die ihre Anknüpfungspunkte bei der Skandalisierung von Migration und Integration, aber auch bei der angeblich bedrohten (inneren) Sicherheit, bei Korruption oder in der Außenpolitik verorte. Er stellt Organisations- und Aktionsformen der extremen und radikalen Rechten vor und schaut auf deren Führungspersonal, die Anhänger- sowie die Wählerschaft: Wer steht an der Spitze der einzelnen Parteien und Bewegungen? Aus welchen sozialen Gruppen rekrutieren sich die Parteimitglieder? Welche – auch gewaltbehafteten – Betätigungsfelder hat die äußerste Rechte? Mudde fragt zudem differenziert nach den Ursachen für Zulauf, Erfolg und Akzeptanz rechtsextremer und rechtsradikaler Parteien und analysiert die Rolle der Medien dabei. In nationaler und internationaler Perspektive schaut er auf den politischen Umgang mit der äußersten Rechten, ihre Wirkung im jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Gefüge der Staaten sowie ihre Positionierung in Genderfragen. Zwölf Thesen des Autors zur äußersten Rechten runden den Band ab."

Montag, 17. Mai 2021

Bürger & Staat zum Thema Rassismus

Bürger & Staat (früher: "Der Bürger im Staat") wird von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg herausgegeben und zählt seit Jahrzehnten zu den besten politikwissenschaftlichen Periodika. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema "Rassismus - Geschichte, Spuren, Kontinuitäten" und ist (wie immer) kostenlos bestellbar oder steht als pdf zum Download zur Verfügung.

Neben dem grundlegenden Aufsatz von Mark Terkessidis ("Was ist Rassismus?") ist besonders der Beitrag von Noah Sow ("Rassistische Sprache") hervorzuheben, der ihrem Buch "Deutschland Schwarz Weiß" entstammt, das zusammen mit den folgenden beiden Büchern grundlegend für das Thema ist:

  • Gümüsay, Kübra (2020), Sprache und Sein, Hanser.
  • Hasters, Alice (2019), Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten, Hanser.
  • Sow, Noah (2018), Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus, Books on Demand.

Samstag, 15. Mai 2021

Vogelschiss - Graphic Novel gegen Rechts

Mit Hilfe von Crowdfunding entsteht gerade eine Graphic Novel gegen Rechts, die den Titel aus einer zu trauriger Berühmtheit gelangten Rede von Alexander Gauland entlehnt hat: "Vogelschiss". Mehr Informationen und die Möglichkeit, am Crowdfunding teilzunehmen, gibt es hier: https://www.vogelschiss-comic.de/

Samstag, 13. Juni 2020

Studie zu rechtspopulistischen Parteien in Skandinavien

Ein Hinweis von Annabell Bühler

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat 2019 einen sehr interessanten Sammelband veröffentlicht über "Strategien progressiver Parteien in Zeiten des wachsenden Rechtspopulismus in Dänemark, Norwegen, Schweden und Deutschland". Da der Sammelband über 150 Seiten umfasst, wird es kaum jemand im Seminar schaffen, schnell zwischendurch den gesamten Band zu lesen. Allerdings finde ich, dass man bereits etwas mitnimmt, wenn man sich die Zusammenfassungen der Länderstudien auf den Seiten 41, 61 und 84 durchliest. Besonders lesenswert finde ich das Fazit ab Seite 155 und hier vor allem die Do's and Don'ts ab Seite 158: http://library.fes.de/pdf-files/bueros/stockholm/14937.pdf

Donnerstag, 23. Januar 2020

Rezension zu Ernst-Dieter Lantermann: Die radikalisierte Gesellschaft

Lantermann, Ernst-Dieter (2016), Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus, Blessing.

Rezension

Autorin: Sarah Daigler

Ob Fitnessfanatiker, Fremdenhasser oder fanatischer Veganer, sie alle werden in dem Buch "Die radikalisierte Gesellschaft" des Sozialpsychologen Ernst-Dieter Lantermann als Beispiele für die Entwicklung zu einer radikalen Gesellschaft aufgeführt. Wer sich nun fragt, inwiefern Fanatismus auch Auswirkungen auf die vegane oder sportliche Lebensführung eines Menschen haben kann, wird in diesem Buch auf knapp 300 Seiten auf mögliche Ursachen und Handlungsmotive der Bürger aufmerksam gemacht.

Die unterschiedlichen Auswirkungen des Fanatismus lassen sich laut Lantermann alle auf die rasante Dynamik von gesellschaftlichen Veränderungen zurückführen, die in der Bevölkerung für Ungewissheit und Unsicherheit im alltäglichen Leben sorgen. Die einst gewohnte Sicht auf sich selbst und die Welt wird gestört und das Sicherheitsgefühl der Menschen geht verloren. Während nun einige Personen in dieser Unsicherheit eine Herausforderung sehen, die aus eigener Kraft bewältigt werden kann, und dadurch ihre Selbstachtung und ihr Selbstwertgefühl gesteigert wird, erleben andere diesen Umbruch als Gefährdung ihrer eigenen Bedürfnisse sowie als Angriff auf ihr Selbstwertgefühl.

Sonntag, 12. Januar 2020

Rezension zu Jaster/Lanius: Die Wahrheit schafft sich ab

Jaster, Romy / Lanius, David (2019), Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen, Reclam.

Rezension

Autorin: Amelie Mathes

Das Reclamheft „Die Wahrheit schafft sich ab – wie Fake News Politik machen“ von Romy Jaster und David Lanius ist ein Buch über den Erfolg von Fake News, was diese sind und was die Sozialen Medien damit zu tun haben. Viele Fakten werden genannt und größtenteils mit Studien oder Ergebnissen von Wissenschaftlern bestätigt. Unter die Lupe genommen werden die Gesellschaft, die Politik und die Sozialen Medien.

Gut definiert und schlüssig erläutert wird, was Begriffe wie Bestätigungsfehler, Bullshit, Gruppenpolarisation oder Konformitätskaskade bedeuten und was sie von ähnlichen Begriffen oder vermeintlich ähnlichen Begriffen abgegrenzt. „Sind Fake News in Wirklichkeit ein alter Hut?“ (S. 25). Unter anderem diese Frage stellen sich die Autoren und gehen ihr auf den Grund.

Eine Checkliste für Fake News, Clickbating, Soziale Medien und die Psyche des Menschen - all das sind Themen in dem Buch von Jaster und Lanius. Wie Verschwörungstheoretiker eng mit Fake News und dessen Vertretern zusammenhängen und sich sogar gegenseitig befeuern. Die Verbreitung von Fake News wird als Spiel mit der Macht bezeichnet:
„[…] Politiker […] verbreiten Fake News nicht in erster Linie, um zu täuschen, sondern um Macht zu gewinnen oder zu vermehren […]“ (S. 83).
Für den Leser ist das Buch sehr angenehm zu lesen. Es ist sehr gut gegliedert und gibt immer wieder eine kleine Zusammenfassung vom Bisherigen. Auch bei Verständnisproblemen mancher Begriffe werden diese im direkten Anschluss erläutert. Interessante Themen und Studien findet man in den Anmerkungen verlinkt. Im Verlauf des Buches werden regelmäßig Rückschlüsse mit Vorherigem gezogen und Beziehungen untereinander hervorgehoben und verdeutlicht, ebenso findet man am Ende eines Kapitels oder zu Beginn des nächsten eine kleine Zusammenfassung bis zu dem aktuellen Stand.

Dadurch dass die vermeintlich fremden Begriffe so gut erklärt werden, versteht man das Buch und seinen roten Faden sehr gut, auch wenn viele Begriffe zuvor unbekannt waren. Das Buch orientiert sich an aktuellen Beispielen aus der deutschen, amerikanischen und russischen Politik und schwenkt immer wieder nach Mazedonien aus, was es sehr interessant macht und wodurch man einen Bezug zur Aktualität findet. Dem Leser werden eine Checkliste und ein Haufen Fragen an die Hand gegeben, um Fake News als solche zu identifizieren und den Verfasser auf Wahrhaftigkeit zu untersuchen.

Da uns Fake News tagtäglich begegnen oder man sich mit anderen Menschen über die neuesten News unterhält, ist es sehr spannend, die Hintergründe über Fake News zu lesen. Wie sich Fake News auch unbewusst in unser Gedächtnis schleichen können und wie wir den Erfolg von Fake News etwas eindämmen können, wird dem Leser hier gut aufgezeigt und erklärt.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Populismus-Einführung bei der bpb

Seit heute ist eines der besten Bücher zum Thema Populismus, die deutsche Übersetzung der "sehr kurzen" Einführung von Mudde/Rovira Kaltwasser bei der bpb für 4,50 € bestellbar. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen...

Samstag, 28. Dezember 2019

Rezension zu Jan Skudlarek: Wahrheit und Verschwörung

Skudlarek, Jan (2019), Wahrheit und Verschwörung. Wie wir erkennen, was echt und wirklich ist, Reclam.

Rezension

Autorin: Charoula Kostakopoulou

Jeder, der ein elektronisches Gerät besitzt, ab und an in sozialen Netzwerken unterwegs ist oder den Fernseher einschaltet, wird mit Begriffen wie Fake News oder Verschwörungstheorien konfrontiert. Und wir alle glauben, dass wir uns gut mit dem Thema auskennen, eben weil wir täglich davon hören. Jan Skudlareks Buch „Wahrheit und Verschwörung“ ermöglicht uns einen anderen Blickwinkel auf Geschehnisse, die wir nie hinterfragt haben, und alles belegt durch Quellen und Beispiele.

Mittwoch, 31. Juli 2019

"Europadämmerung" von Ivan Krastev bei der bpb

Der äußerst lesenswerte Essay "Europadämmerung" von Ivan Krastev kann ab sofort für 4,50 € bei der bpb bestellen kann. Er leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis Osteuropas. Auf der bpb-Website findet sich folgende Beschreibung:
Ivan Krastev analysiert die jüngsten Krisen der EU vor dem Hintergrund der Polarisierung zwischen West- und Osteuropa. Dabei konstatiert er eine wachsende Skepsis gegenüber einem liberalen europäischen Wertemodell, die sich in einer steigenden Zustimmung zu autoritärer Politik ausdrückt.
Die Europäische Union hatte in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Krisen zu kämpfen. Die Eurokrise, das Brexit-Votum der Briten, der Streit über den Umgang mit Migration: Eine zunehmende Zahl von Europäern, so Ivan Krastev, stehe dem Liberalismus europäischen Zuschnitts skeptisch gegenüber. Die wachsende Zustimmung zu autoritären Politikmodellen - innerhalb der EU, in Ost- und Mitteleuropa - scheint Beleg dafür zu sein, dass Offenheit und Toleranz vielerorts mehr als Bedrohung denn als Bereicherung wahrgenommen werden. So sehen sich viele Menschen als Teil einer "bedrohten Mehrheit" - gefährdet von Globalisierung und Zuwanderung, angeblich verraten von kosmopolitischen "Eliten". Populisten versprechen ihnen den Erhalt ihrer Privilegien und "endgültige" Siege, die eine auf Ausgleich und Rationalität setzende Demokratie schuldig bleiben muss. Ivan Krastev analysiert in diesem Essay diese Verschiebungen, aber auch die Paradoxien, die zuletzt offenbar geworden sind und die so bezeichnend sind für eine politische Union zwischen Zerbrechlichkeit und Widerstandsfähigkeit.

Montag, 29. Juli 2019

Rezension zu Chantal Mouffe: Für einen linken Populismus

Mouffe, Chantal (2018), Für einen linken Populismus, Suhrkamp.

Rezension

Autor: Marvin Wößner

Mouffe macht direkt zu Beginn klar, welchen Ursprung dieses Buch hat. In der neoliberalen Vorherrschaft sieht sie die Krise und die Chance für die Demokratie. Die Linke müsse begreifen, dass sich die Demokratie in einer Krise befinde und daraus die Chance für das linke Politikspektrum entstehe, die Demokratie zu erneuern und zu stärken, zu radikalisieren. Das Problem, so Mouffe, sei, dass die linke Politik zu passiv ist. Die Linke verpasse es, die eigene Ideologie mit den Bedürfnissen und Forderungen politisch engagierter Bürger zu kombinieren. Im Grunde sieht Mouffe die Linke als konservativ. Es gelte, so Mouffe, linke Ideen mit dem Bürgerwillen und den Bedürfnissen der breiten Masse zu kombinieren. Einen linken Populismus.

Montag, 15. Juli 2019

Rezension zum Sammelband "Die Alternative für Deutschland"

Häusler, Alexander (2016), Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung, Springer.

Rezension

Autor: Magnus Wiedemann

Der Sammelband „Die Alternative für Deutschland“, herausgegeben von Alexander Häusler, hat seinen Ursprung in einer Fachtagung vom Februar 2015 zum Thema „Politische Programmatik und Entwicklung der Partei Alternative für Deutschland“ in Düsseldorf. Die in diesem Band gesammelten Texte legen dabei die Erkenntnisse dar, die im Rahmen dieser Tagung gewonnen wurden, ergänzt durch zwei weitere Publikationen, die ihren Ursprung nicht in der Tagung fanden. Zwischen Mai und Juli 2015 wurden die Texte eingereicht.

In den Texten des Sammelbandes geht es darum, aus wissenschaftlicher Sicht die 2013 gegründete Partei „Alternative für Deutschland“ unter die Lupe zu nehmen. Dabei werden Parteiprogramm, Mitglieder, Entwicklung, Merkmale und vieles mehr analysiert, um die Partei sinnvoll nach verschiedenen Kriterien bewerten und einordnen zu können. Dabei wird das Werk in sechs größere Kapitel gegliedert, die einen allgemeinen Überblick über genau die Dinge liefern sollen, die die Partei ausmachen:

1. Parteipolitische Einordnung
2. Außenpolitische Positionen
3. Familien- und Geschlechterpolitik
4. Islamfeindlichkeit
5. Neurechte Einflüsse auf die AfD
6. Ausblick auf die Zukunft der Partei

Samstag, 6. Juli 2019

Rezension zu Armin Pfahl-Traughber: Die AfD und der Rechtsextremismus

Pfahl-Traughber, Armin (2019), Die AfD und der Rechtsextremismus. Eine Analyse aus politikwissenschaftlicher Perspektive, Springer.

Rezension

Autorin: Leonie Isenberg-Schulz

Der Politikwissenschaftler und Soziologe Armin Pfahl-Traughber erörtert in seinem Werk „Die AfD und der Rechtsextremismus. Eine Analyse aus politikwissenschaftlicher Perspektive“ die Frage, ob die AfD als rechtsextremistische Partei einzuordnen ist. Dazu liefert er zunächst Basisinformationen und Definitionen und erläutert seine Untersuchungskriterien. Im Anschluss analysiert er rechtsextremistische Aussagen von Funktionsträgern und geht zudem auf die politischen Zusammenhänge zwischen der AfD und dem neueren und traditionellen Rechtsextremismus ein. Er endet seine Ausführung mit seiner Einschätzung bezüglich der Extremismusfrage.

Zu Beginn seiner Ausführungen definiert Pfahl-Traughber den Begriff „Extremismus“, da dies mittlerweile zu einer Sammelbezeichnung für politische Orientierungen wurde, die gegen die Grundlagen der Demokratie verstoßen. Der Rechtsextremismus ist eine bestimmte Erscheinungsform, die von der „Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit und der Ideologie der Ungleichwertigkeit geprägt ist“ (S. 3).

Anschließend führt er die Entstehung und Entwicklung der Partei auf und weist besonders darauf hin, dass es häufig interne Auseinandersetzungen gab und die Partei keine politische Einheit darstellt. Als nicht-homogene Partei kann man die AfD mittlerweile in drei Flügel einteilen. Mit der Zeit verließen die eher gemäßigten Funktionäre die Partei, wodurch der rechte Flügel an Bedeutung gewann. Durch die internen Umbrüche, Konflikte und Unstimmigkeiten ist es besonders schwierig, die AfD einzuordnen und zu verallgemeinern. Zusätzlich vermeiden es extremistische Parteien, offen gegen grundlegende Normen und Regeln einer modernen Demokratie und Gesellschaft zu verstoßen. Aus diesem Grund untersucht Pfahl-Traughber Aussagen von Führungspersonen und Mandatsträgern der Partei, um eine ungefilterte Position herauszukristallisieren.

In den folgenden Kapiteln finden sich einige Beispiele für rechtsextremistische Aussagen. Dazu gehört unter anderem die Aberkennung von Individualrechten, als beispielsweise Gauland 2017 einer Deutsch-Türkin das Recht auf Meinungsfreiheit aberkannte und sie des Landes verweisen wollte. Der Autor findet noch einige weitere ähnliche Beispiele und erkennt zusätzlich rassistische Positionierungen in verschiedenen Interviews. Dies belegt er mit Zitaten von Gauland oder Höcke, die sich eindeutig rassistisch äußerten.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Rezension zu Heinrich Detering: Was heißt hier "wir"?

Detering, Heinrich (2019), Was heißt hier „wir“? – Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten, Reclam.

Rezension

Autor: Simon Baur

Kapitel 1: „Reizwörter und Leseweisen“

In diesem Kapitel macht der Autor auf den Sprachgebrauch und das Vokabular der parlamentarischen Rechten aufmerksam. Er nennt populäre Beispiele wie den „Vogelschiss“, die „Entsorgung“ und „Messermänner“. Er macht klar, dass durch diese, er nennt sie Kampfvokabeln, kalkulierte Verstöße gegen die Höflichkeitsregeln und das Taktempfinden vorgenommen werden. Hiermit versuchen die Akteure, Tabubrüche zu erzielen, um so Aufmerksamkeit zu generieren. Er geht auch darauf ein, dass sich keinesfalls an „verbotenen Aussagen“ bedient wird, die Aussagen werden erst im Kontext moralisch fragwürdig.

Er stellt dies exemplarisch am Beispiel von Gaulands Aussage, der Holocaust sei ein „Vogelschiss“, dar. Das Wort „Vogelschiss“ ist weder verboten noch irgendwie historisch negativ behaftet, jedoch im Kontext der Geschichte relativiert er damit die industrielle Vernichtung der Juden im dritten Reich. Detering geht auch darauf ein, dass Rechtspopulisten wie die AfD gerne von „Wir“, “ uns“, “unser“, „unsere Kultur“ sprechen. Der Autor stellt hier die Frage: Wer oder was ist das „wir“ um was sich alles dreht?

Rezension zu Wirsching / Kohler / Wilhelm: Weimarer Verhältnisse?

Wirsching, Andreas u.a. (Hg.) (2018), Weimarer Verhältnisse? - Historische Lektionen für unsere Demokratie, Reclam (oder als Lizenzausgabe für die bpb).

Rezension

Autorin: Nazdar Alicioglu

Das Buch „Weimarer Verhältnisse?“ beschäftigt sich mit der Frage, ob die deutsche Demokratie gefährdet ist. Sieben Autoren/innen haben sich mit den jüngsten Entwicklungen der deutschen Demokratie beschäftigt und damit, ob die deutsche Demokratie an die Weimarer Republik erinnert. Die NSDAP wird mit der AfD verglichen, aber nicht gleichgesetzt. Das Buch hat acht Kapitel auf 119 Seiten. Im folgenden werden die acht Kapitel kurz zusammengefasst.

Samstag, 29. Juni 2019

Rezension zu Andreas Speit: Bürgerliche Scharfmacher

Speit, Andreas (2016), Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte - von AfD bis Pegida, Orell Füssli.

Rezension

Autorin: Cathrin Würsig

Das Buch beschreibt den Wandel des rechten Milieus in Deutschland und die aktuelle Lage der verschiedenen Bewegungen. Hierbei bezieht der Autor sich immer wieder auf Interviews, Statements bei politischen Veranstaltungen und Expertenmeinungen, um die verschiedenen Hintergründe sichtbar zu machen. Es besteht aus einer Einleitung und vier Hauptkapiteln, welche in kleinere Kapitel unterteilt sind. Im Folgenden werde ich diese kurz zusammenfassen.

Dienstag, 25. Juni 2019

Rezension zu Hubert Kleinert: Die AfD und ihre Mitglieder

Kleinert, Hubert (2018), Die AfD und ihre Mitglieder. Eine Analyse mit Auswertung einer exemplarischen Mitgliederbefragung hessischer Kreisverbände, Springer.

Rezension

Autorin: Nina Keller

In seinem Buch „Die AfD und ihre Mitglieder" beschäftigt sich Hubert Kleinert mit der rechtspopulistischen deutschen Partei AfD und deren Mitgliedern. Auf 131 Seiten und in 11 Kapiteln wird nicht nur geklärt, wie rechts die Partei wirklich ist, wie sie entstanden ist oder welche Ziele die Partei verfolgt, sondern auch die Einstellung der Mitglieder zu bestimmten Themen wird anhand von Befragungen dargestellt.

Der Leser bekommt einen tiefen Einblick in die Strukturen der Alternative für Deutschland und erfährt genaueres über die Mitglieder der Partei und wie diese zu verschiedenen Themen eingestellt sind. Im Folgenden werde ich genauer auf die einzelnen Kapitel eingehen.