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Sonntag, 7. Juni 2026

Podcast: Wer AfD wählt und warum

Die Reihe Hörsaal von Deutschlandfunk Nova stellt ausgewählte Vorträge als Podcast zur Verfügung. Der jüngste Beitrag vom 5. Juni 2026 stammt von Detlef Pollak, einem Soziologen der Universität Münster, und widmet sich der Frage: "Warum so viele die AfD wählen". Der rund dreiviertelstündige Vortrag fasst eine Fülle an empirischen Daten kompetent und kompakt zusammen und bietet darüber hinaus interessante Perspektiven, auch hinsichtlich erfolgversprechender Gegenstrategien...

Donnerstag, 22. Mai 2025

Die Stärke rechtspopulistischer Parteien in ländlichen Regionen

In den letzten Jahren haben rechtspopulistische Parteien wie die AfD in Deutschland, der Rassemblement National (RN) in Frankreich und der Trumpismus in den USA besonders in ländlichen Regionen an Zustimmung gewonnen. Dabei handelt es sich um eine zentrale Gemeinsamkeit rechtspopulistischer Parteien. In diesem Blogbeitrag möchte ich dieser Beobachtung nachgehen und die Ursachen für die geografischen Unterschiede in der Wählerschaft beleuchten.
 
Ländliche Räume: Nährboden für Rechtspopulismus 
 
In ländlichen Gebieten fühlen sich viele Menschen politisch und wirtschaftlich abgehängt. In Ostdeutschland beispielsweise zeigen Studien, dass die AfD besonders in eher ländlichen Gemeinden hohe Wahlergebnisse erzielt, während in sehr ländlichen oder urbanen Regionen die Unterstützung geringer ausfällt. Diese "Zwischenräume" erleben oft einen Strukturwandel ohne ausreichende politische Begleitung, was das Gefühl der Vernachlässigung verstärkt (https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn061129.pdf).
 
In Frankreich konnte der RN bei den Parlamentswahlen 2024 in ländlichen Regionen stark zulegen. Wähler:innen äußerten Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation und der Wahrnehmung, von der zentralen Politik in Paris ignoriert zu werden.
 
In den USA hat Donald Trump insbesondere in ländlichen Gebieten Unterstützung gefunden, indem er wirtschaftliche Ängste und kulturelle Unsicherheiten adressierte. Viele dieser Wähler:innen fühlten sich von der Demokratischen Partei nicht mehr vertreten und sahen in Trump einen Anwalt ihrer Interessen.
 
Urbane Zentren: Hochburgen demokratischer Parteien

Städte zeichnen sich durch höhere Bildungsniveaus, größere ethnische Vielfalt und ein breiteres kulturelles Angebot aus. Diese Faktoren korrelieren mit einer höheren Unterstützung für demokratische und progressive Parteien. Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt, dass in urbanen Gebieten Parteien wie die SPD und die Grünen stärkeren Rückhalt finden, während auf dem Land konservative und rechtspopulistische Parteien dominieren (https://www.kas.de/de/monitor/detail/-/content/stadt-land-unterschiede).
 
In den USA konzentriert sich die Unterstützung für die Demokratische Partei ebenfalls in städtischen Gebieten, wo Themen wie soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Diversität eine größere Rolle spielen. Diese Unterschiede im Wahlverhalten spiegeln die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Prioritäten von Stadt- und Landbewohner:innen wider.
 
Die Bedeutung des Dialogs zwischen Stadt und Land

Die unterschiedlichen Wahlergebnisse zwischen urbanen und ländlichen Regionen verdeutlichen die Notwendigkeit eines intensiveren Dialogs. Politische Strategien sollten in Zukunft darauf abzielen, die spezifischen Bedürfnisse und Sorgen der ländlichen Bevölkerung ernst zu nehmen, ohne dabei demokratische Grundwerte zu schädigen. Gleichzeitig müssen urbane Zentren ihre Rolle als Motoren für Innovation und Integration weiterhin wahrnehmen und Brücken in ländliche Regionen bauen. Nur durch gegenseitiges Verständnis und gezielte politische Maßnahmen kann die Kluft zwischen Stadt und Land überwunden und der Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen eingedämmt werden.
 
Quellen:
  • https://www.kas.de/de/monitor/detail/-/content/stadt-land-unterschiede
  • https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn061129.pdf
  • https://www.cpreview.org/articles/2025/2/running-on-resentment-the-national-rally-in-rural-france?
  • https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/studie-afd-waehler-100.html
  • https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/afd/273131/wahlergebnisse-und-waehlerschaft-der-afd/ Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD | Parteien in Deutschland

Mittwoch, 1. November 2023

Die AfD-Wählerschaft und die neue Partei von Sahra Wagenknecht

Kann sich die AfD zukünftig von rechtsextremen Akteur:innen und Positionen abgrenzen? Ist die Partei möglicherweise „nur“ eine CDU vor der Modernisierung? Oder ist die Partei etwas anderes? Falls ja, was genau ist sie? Das vorliegende und als Grundlage dieses Beitrags verwendete Arbeitspapier der Otto Brenner Stiftung, das im Juni 2023 erschien, formuliert zu Beginn eine Reihe relevanter Fragen und hat das Ziel, die Widersprüchlichkeiten der Partei zu rekonstruieren und die mehrfache Umgestaltung der Partei zu analysieren.

Hierfür werden mehrere Aspekte untersucht, die in verschiedene Kapitel aufgeteilt sind. Für ein tiefergehendes Verständnis und die Beantwortung der Fragen sind die einzelnen Kapitel dieses Arbeitspapiers sehr lesenswert. Neben der programmatischen und organisatorischen Entwicklung der Partei wird unter anderem die Nähe der AfD zu Russland betrachtet, was nicht zuletzt angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine relevant ist. Hier zeigt die Studie beispielsweise auf, dass russische Narrative durch die AfD auch während der Kriegszeit immer wieder verwendet werden.

Dieser Beitrag fokussiert sich jedoch auf das dritte Kapitel des Arbeitspapiers, welches die AfD-Wählerschaft, unter anderem ihre soziale Position und ihre Einstellungen, genauer betrachtet. Zusätzlich wird in diesem Kapitel die möglicherweise vorhandene Repräsentationslücke, die von den etablierten Parteien nicht abgedeckt wird, beleuchtet. Von einer solchen Repräsentationslücke sprach zuletzt auch Sahra Wagenknecht.

Das im Folgenden untersuchte Kapitel kann zu einem tiefergehenden Verständnis der AfD-Wählerschaft beitragen und ist nicht zuletzt angesichts der Entstehung einer neuen Partei rund um Sahra Wagenknecht relevant. Indirekt kann ein Augenmerk somit ebenfalls auf die Fragen gelegt werden, ob und wie es dieser neuen Partei gelingen könnte, (Protest-)Wähler:innen von der AfD abzugreifen und was dies für die AfD bedeutet.

Das „Bündnis Sahra Wagenknecht – Für Vernunft und Gerechtigkeit“ (BSW) wird in den Medien derzeit häufig thematisiert (Beispiel). Gesellschaftspolitisch betrachtet, vertritt das Bündnis eher konservative Positionen, wirtschaftspolitisch kann es jedoch eher links eingeordnet werden. Die soziale Gerechtigkeit soll unter anderem durch steuerliche Entlastungen für Menschen mit geringen Einkommen verbessert werden. Gleichzeitig bedient das BSW eine gewisse Anti-System-Haltung. Sollte die AfD angesichts eines drohenden Wählerverlusts Angst vor Wagenknechts neuer Partei haben oder ist diese Sorge eher unberechtigt? Im zweiten Teil dieses Beitrags wird dieser Frage nachgegangen.

Sonntag, 3. Juli 2022

Religiosität und Rechtspopulismus

In diesem Beitrag stellt Mirjam Lehmann folgenden Aufsatz vor:

Steinmann, Jan-Philip (2022): (K)eine immunisierende Wirkung? Eine binnendifferenzierte Analyse zum Zusammenhang zwischen christlicher Religiosität und der Wahl rechtspopulistischer Parteien; in: Köln Z Soziol 74 (1), S. 33–64. DOI: 10.1007/s11577-022-00820-z.

Der Beitrag von Jan-Philip Steinmann hinterfragt die Immunisierungshypothese, die lautet, dass Religiosität eine immunisierende Funktion für die Wahl rechtspopulistischer Parteien hat. Steinmann geht von der binnendifferenzierten Perspektive aus, die besagt, dass die Konfliktline zwischen Menschen verläuft, die entweder jeder Religionslehre (inklusiver Religionsanspruch) oder nur der eigenen (exklusiver Religionsanspruch) einen Wahrheitsanspruch zuschreiben. Die Wahrscheinlichkeit, eine rechtspopulistische Partei zu wählen, ist bei christlichen Wähler*innen mit exklusivem Religionsanspruch doppelt so hoch als bei solchen mit inklusivem Religionsanspruch (vgl. Steinmann 2022, S. 35–36).

Donnerstag, 22. Juli 2021

Abstiegsängste als Ursache für Rechtspopulismus

In diesem Beitrag stellt Eva Birkmeyer folgenden Text vor:

Kohlrausch, Bettina (2018): Abstiegsängste in Deutschland: Ausmaß und Ursachen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus, Working Paper Forschungsförderung, Nr. 058, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf, online unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:101:1-2018040415754.

Die Autorin versucht in dem Paper, vor dem Hintergrund des Wahlerfolges der AfD in der Bundestagswahl 2017 die Frage zu beantworten, worin die Ursachen von sozialer Verunsicherung und Ängsten vor einem möglichen sozialen Abstieg liegen. Sie analysiert mithilfe von mehreren Befragungen die These, dass soziale Verunsicherung und Ängste ein wichtiger Treiber der AfD-Wahl seien. Sie beschreibt, dass das Erstarken der AfD häufig mit einer zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft erklärt wird. In Deutschland wurde laut Kohlrausch in mehreren Studien widerlegt, dass die AfD nur von einkommensschwachen und bildungsfernen Bevölkerungsgruppen gewählt wird. (vgl. S. 6).

Mittwoch, 21. Juli 2021

Wer wählt die AfD?

In diesem Beitrag stellt Samuel Schaumann folgenden Aufsatz vor:

Hambauer, Verena / Mays, Anja (2018): Wer wählt die AfD? – Ein Vergleich der Sozialstruktur, politischen Einstellungen und Einstellungen zu Flüchtlingen zwischen AfD-WählerInnen und der WählerInnen der anderen Parteien; in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 12, S. 133-154, online unter: https://doi.org/10.1007/s12286-017-0369-2.

Der Aufsatz thematisiert die Wählerschaft der AfD und vergleicht deren Einstellungen und soziodemographische Daten mit der Anhängerschaft der etablierten deutschen Parteien anhand von Umfragedaten. Dabei werden insbesondere Differenzen bezüglich der Flüchtlingsthematik, den Ängsten und der Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik herausgestellt. Außerdem werden die unteren Gesellschaftsschichten als besonders bedeutende Gruppe unter den AfD-WählerInnen ausgemacht (vgl. S. 133).

Donnerstag, 9. Juli 2020

Wer wählt die SVP und warum?

Ein Hinweis von Lukas Böhm

In diesem Beitrag geht es um ein Kapitel aus dem 2015 erschienenen Buch „Wahlen und Wählerschaft in der Schweiz“ (hg. v. M. Freitag und A. Vatter). Anita Manatschal und Carolin Rapp setzen sich darin mit der Entwicklung der Schweizerischen Volkspartei (SVP) auseinander. Die SVP hat sich in den letzten 20 Jahren von der „Bauernpartei“ zur wahlstärksten Partei der Schweiz entwickelt.

Früher war die SVP noch eine Partei, die hauptsächlich von protestantischen Wählern aus der Landwirtschaft oder kleinen Gewerbetreibenden unterstützt wurde. Heute jedoch ist es eine Volkspartei mit rechtspopulistischer Ausrichtung, die alle möglichen Wählergruppen umfasst. Das Kapitel zeigt auf, auf welche Art und Weise sich die SVP verändert hat, wer ihre (neuen) Wähler sind und welche Programme bzw. Ziele sie zu dieser erfolgreichen Partei gemacht hat. Hier geht es zum Buchkapitel: https://doc.rero.ch/record/327822/files/Manatschal_Anita_-_Welche_Schweizer_w_hlen_die_SVP_und_warum.pdf

Wo die Jungen die Rechtspopulisten wählen

Ein Hinweis von Pia Schweer

In dem Artikel "Das junge, rechte Europa" von Camilla Kohrs vom 31.03.2017 finden sich Abschnitte zur jungen Unterstützerszene des Rechtspopulismus und -extremismus in Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich und der Slowakei.

Mittwoch, 10. Juni 2020

PVV-Wähler – Der alte weiße Cis-Mann?

Ein Hinweis von Kim Poelk

Das Stereotyp des rechtsgeneigten Wählers ist meist männlich, weiß, mittleren oder höheren Alters, heterosexuell und gehört der Arbeiterklasse an. Das folgende Video zeigt das Gegenteil: Der gezeigte Wahlkämpfer ist 24 Jahre alt, schwul und dennoch ein großer Verfechter von Geert Wilders. Als Grund nennt er die Bedrohung, die von den vielen türkischen Einwanderern und Erdogan-Anhängern für ihn als homosexuellen Mann ausgehe. Für ihn ist der einzige Weg, ein liberales und aufgeschlossenes Niederlande zu erhalten, die Wahl eines rechtsextremen Politikers. Das Video wurde 2017 kurz vor der Parlamentswahl gedreht.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Weltspiegel-Bericht zum Frust der Mittelschicht in den Niederlanden

Ein Hinweis von Theresa Wanner

Obwohl es den Niederlanden gut geht, fühlen sich doch einige Niederländer nicht von der Politik wahrgenommen. Sie fühlen sich abgehängt und das trotz Wirtschaftswachstum. Der Pfarrer Jan Veldhuizen kommt täglich mit Menschen ins Gespräch. Er erzählt, die Menschen seien „böse auf die Politik“ und der einzige, der das sage, was die Bevölkerung beschäftige, sei Geerd Wilders.

In diesem Beitrag des Weltspiegels wird ein kleiner Einblick in das Leben der Familie Kempinga gewährt. Beide Eltern arbeiten und trotzdem steht ihnen nur wenig Geld zur Verfügung. Den Großteil ihrer Lebensmittel holen sie, wie viele andere niederländische Familien auch, bei der Tafel. Die Langzeitarmut steigt und die Kluft zwischen Arm und Reich mit. Vater Arie findet es gut, dass Wilders auf die Leute zugeht und versucht, dass sich etwas in den Niederlanden verändert, denn es muss sich etwas verändern. Trotzdem ist er der Meinung, dass Wilders positive wie auch negative Seiten hat und er ihn nicht in allen Punkten unterstützen kann. Vielleicht wählt er ihn aber, wie viele andere auch, rein aus Protest.

Dienstag, 25. Juni 2019

Rezension zu Hubert Kleinert: Die AfD und ihre Mitglieder

Kleinert, Hubert (2018), Die AfD und ihre Mitglieder. Eine Analyse mit Auswertung einer exemplarischen Mitgliederbefragung hessischer Kreisverbände, Springer.

Rezension

Autorin: Nina Keller

In seinem Buch „Die AfD und ihre Mitglieder" beschäftigt sich Hubert Kleinert mit der rechtspopulistischen deutschen Partei AfD und deren Mitgliedern. Auf 131 Seiten und in 11 Kapiteln wird nicht nur geklärt, wie rechts die Partei wirklich ist, wie sie entstanden ist oder welche Ziele die Partei verfolgt, sondern auch die Einstellung der Mitglieder zu bestimmten Themen wird anhand von Befragungen dargestellt.

Der Leser bekommt einen tiefen Einblick in die Strukturen der Alternative für Deutschland und erfährt genaueres über die Mitglieder der Partei und wie diese zu verschiedenen Themen eingestellt sind. Im Folgenden werde ich genauer auf die einzelnen Kapitel eingehen.

Montag, 14. Januar 2019

Rezension zu Hochschilds "Strangers in their own land"

Hier im Blog ist schon vor über einem Jahr eine Rezension zu dem herausragenden Buch "Strangers in their own land" von Arlie Russell Hochschild erschienen. Nun hat der Rezensions-Blog der London School of Economics and Political Science nachgezogen und eine lesenswerte Rezension zu dem - zwischenzeitlich auch auf deutsch erhältlichen - Buch veröffentlicht: Tim Winzler: Hands in the Oily Kitchen Sink

Montag, 26. November 2018

Guardian: The New Populism

Wie ich in den verschiedenen seminarbegleitenden Blogs schon mehrfach betont habe, zählt der Guardian ohne Zweifel zu den weltweit besten Zeitungen. Und das hat er in den letzten Tagen einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt mit einer hervorragenden Artikelserie zum bestimmenden Thema der letzten Jahre (und auch unserem Seminarthema), dem Populismus. Zur Startseite des Schwerpunkts geht es hier: "The New Populism".

Zahlreiche lesenswerte Beiträge (und natürlich das Quiz, siehe voriges Posting) lohnen den Besuch. Auf einen besonders interessanten Beitrag sei gesondert hingewiesen: Einer der führenden Populismusforscher, der in Georgia in den USA lehrende Niederländer (und Gladbach-Fan sowie eifriger Twitterer), Cas Mudde, hat eine "personal reflection on the rise of the term populism and its problems" beigesteuert: "How populism became the concept that defines our age"...

Sonntag, 4. November 2018

Trump-WählerInnen verstehen

Der langjährige USA-Korrespondent der ZEIT, Martin Klingst, hat ein Buch mit acht Porträts von Trump-Wählern geschrieben, eine Art Empathieschulung als Ergänzung zu Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land":

Klingst, Martin (2018), Trumps Amerika. Reise in ein weißes Land, Reclam.

Heute wurde auf ZEIT Online ein Ausschnitt daraus mit dem Titel "Die Demokraten haben uns verlassen" veröffentlicht, den zu lesen sich lohnt. Ein kleiner Appetithappen:
Jedenfalls gefällt mir, dass Trump geradeheraus und unverschnörkelt redet, so wie es schon ewig kein Politiker mehr getan hat. Er sagt, was er denkt, und tut, was er sagt – so wie der Menschenschlag hier.

Donnerstag, 13. September 2018

Die jungen Wähler*innen und die AfD - warum wählt die Zukunft blau?

Nach den jüngsten Vorkommnissen in Chemnitz ist die Alternative für Deutschland (AfD) wieder in aller Munde. Die AfD hatte nach den tödlichen Messerstichen an Daniel H. durch je einen irakischen und einen syrischen Asylbewerber zu sogenannten Trauer- und Schweigemärschen aufgerufen. Auf den Bildern des Trauermarsches sah man neben den bekannten AfD-Führungskräften auch viele junge Menschen, die in Chemnitz auf der Straße standen und den Aufrufen der AfD gefolgt waren. Angsteinflößend ist hierbei die Nähe zu rechtsextremen Gruppen (Pegida, Pro Chemnitz), die klar den Neuen Rechten zugeordnet werden können.

Umso wichtiger erscheint es, dass die Gründe, warum Menschen in Deutschland für die AfD stimmen, analysiert und ausgewertet werden, um dem Rechtsruck in Deutschland entgegenzuwirken. Grundsätzlich bleibt die Frage bestehen, wie sich so eine Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahren vollziehen konnte. Noch erschreckender erscheint, wenn man vielen Medienberichten Glauben schenken will, dass die meisten Wähler der AfD jung sein sollen. Die Jugend, die jungen Erwachsenen, ist anscheinend die Hauptwählergruppe der AfD. Ist das also die Zukunft Deutschlands? Wird die AfD die neue Volkspartei in Deutschland?

Im Jahr 2016 gab es eine groß angelegte Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung über die AfD-Anhängerschaft, die Wählerschaft der AfD lässt sich nach der Studie wie folgt zusammenfassen: jung, männlich, ostdeutsch (vgl. DIW Berlin 2016). Doch steht die AfD bei den jungen Wähler*innen wirklich so hoch im Kurs? Wird unsere zukünftige Volkspartei wirklich die AfD sein? Tragen die sozialen Medien möglicherweise einen Großteil zur aktuellen Stimmung unter jungen Wähler*innen bei? Hat die AfD daher die besten Strategien, auch im Bereich soziale Medien? Und welche Rolle spielt die Junge Alternative (JA) im Hinblick auf junge Wähler*innen?

Ein Blogeintrag über dieses Thema kann höchstens einen groben Überblick über die Bandbreite des Themas geben. Für angehende Lehrer*innen sollte gerade der Blick für die jungen Wähler*innen geschärft werden, denn auch die Schule trägt ihren, wenn auch kleinen Teil zur politischen Sozialisation von Schüler*innen bei. Häufig wird die Jugend beziehungsweise die junge Wählerschaft aus dem Blickfeld verloren. Hier soll es nun um genau diese Gruppe gehen.

Sonntag, 13. Mai 2018

Rezension zu Michael Kimmel: Angry White Men

Kimmel, Michael (2017), Angry White Men. American Masculinity at the End of an Era, 2nd edition, Nation Books.

Rezension

Autorin: Ulrike Maurer

"Amerikanische Männlichkeit am Ende einer Ära" - so lautet der Subtitel von Michael Kimmels 2017 in überarbeiteter Form erschienene Buch „Angry White Men“. Kimmel gibt in seiner neuesten Publikation einen detaillierten sowie spannenden Überblick über den Zustand und die Befindlichkeit des weißen amerikanischen Mannes im heutigen, von Donald Trump regierten Amerika.

Michael Kimmel untersucht in seinem Buch eine besondere Spezies: Es ist der weiße, amerikanische Mann, der sich nicht nur von der amerikanischen Gesellschaft im Stich gelassen fühlt, sondern verschiedene Minderheiten oder Gesellschaftsschichten für seine Misere verantwortlich macht. Ob es nun Homosexuelle, Frauen – insbesondere Feministinnen –, Schwarze oder andere weiße Männer der US-Upperclass sind: All diesen Menschen ist gemeinsam, dass der „wütende weiße Mann“ sie sich als Feindbild auserkoren hat. Kimmel ist es nicht nur ein Anliegen, zu erklären, weshalb der weiße, amerikanische Mann so sauer ist; er liefert dabei eine Beschreibung seiner Physiognomie. Ebenso könnte Kimmels Buch die optimale Spielwiese für Therapeuten und Psychologen sein, entwirft er doch gewissermaßen eine Pathologie dieses weißen Amerikanertypus.

Mittwoch, 9. Mai 2018

bpb-Netzdebatte zum Populismus

Das Online-Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) umfasst den Bereich Netzdebatte, dessen Selbstbeschreibung sich folgendermaßen liest:
Netzdebatte ist das Debattenportal der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Weblog greift Themen auf, die die Gesellschaft bewegen. Netzdebatte erklärt Hintergründe, bildet Positionen ab und bietet einen Ort zum Diskutieren.
Aktuell geht es um das Thema Populismus, um Rechts- und Linkspopulismus, um die Frage, wer populistische Parteien wählt, um Fake News sowie um das Verhältnis von Populismus und Sozialen Medien, also um Themen, die sich ideal zur Nachbereitung der bisherigen Seminarinhalte eignen...

Dienstag, 4. Juli 2017

Der Aufstieg der AfD in Baden-Württemberg – wohin führt der Weg der Partei?

"Lügenpresse", "Flüchtlingskrise", Machtkampf - diese drei Wörter sind wohl untrennbar mit der Alternative für Deutschland verbunden. Eine Partei, die 2016 überraschend zur drittstärksten Partei im baden-württembergischen Landtag gewählt wurde und welche bei der diesjährigen Bundestagswahl wohl nicht mehr an der 5%-Hürde scheitern wird. Im folgenden Blogbeitrag wird der Aufstieg des baden-württembergischen Landesverbandes beleuchtet und zudem ein Ausblick auf die Zukunft des Landesverbandes geworfen.

Der Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) wurde am 14. April 2013 in Berlin abgehalten. Innerhalb von nur wenigen Wochen gelang es der Partei, in allen Bundesländern Landesverbände zu gründen und die nötigen Schritte für eine Teilnahme an der anstehenden Bundestagswahl einzuleiten (vgl. Oppelland 2016).

Das zentrale Thema der AfD ist bis in den Spätsommer 2015 die Kritik am Euro. Mit dem Beginn der Flüchtlingskrise verschiebt sich der Themenschwerpunkt jedoch und national-konservative Aspekte gewinnen an Bedeutung (vgl. o.V. 2016a).

Gründung in Baden-Württemberg

Nur wenige Tage nach der Gründung der Bundespartei Alternative für Deutschland fand am 22. April 2013 in Karlsruhe der Gründungsparteitag des Landesverbandes Baden-Württemberg statt (vgl. AfD KV-Heilbronn). Nach Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz war Baden-Württemberg somit das siebte Bundesland mit einem Landesverband der Alternativen für Deutschland (vgl. RNF 2013).

Sonntag, 12. März 2017

Beitrag zu den Wählern rechtspopulistischer Parteien in Europa

Zwischenzeitlich ist ein weiterer Beitrag einer Seminarteilnehmerin im Rahmen der Blogreihe Populismus des Soziologiemagazins erschienen. Es handelt sich um eine Arbeit mit dem Titel "Modernisierungsverlierer, Globalisierungskritiker, Traditionalisten?! – die Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa". Auf die drei bislang veröffentlichten Arbeiten zu Deutschland/AfD, Italien/Berlusconi und Polen/PiS hatte ich bereits vor einigen Tagen hingewiesen...