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Mittwoch, 25. Januar 2017

Populismus als Herausforderung der liberalen Demokratie

Ein Beitrag von Patrick Kiesel zu folgendem Aufsatz:

Werner A. Perger (2015), Die neue Dimension des Populismus: Die europäische Rechte und die eurasische Herausforderung der liberalen Demokratie; in: Hillebrand, Ernst (Hg.), Rechtspopulismus in Europa. Gefahr für die Demokratie?, Dietz Verlag, S. 128-137.

Der Text Pergers behandelt zu Beginn exemplarisch die Entstehungsgeschichte des europäischen Populismus anhand der Entwicklungen in Italien und Österreich Mitte der 90er Jahre und zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Anschließend setzt er den Aufstieg populistischer Kräfte mit dem Versäumen politischen Handelns seitens der etablierten Parteien in Beziehung.

Perger sieht die Demokratie, wie wir sie kennen, in Gefahr. Er sieht das Erstarken der Populisten unter russischem Einfluss als „paneuropäische Herausforderung“ und stilisiert die Auseinandersetzung zwischen mit gelenkter Demokratie liebäugelnden Populisten und (Sozial-)Demokraten als Kampf um die „kulturelle Hegemonie“ in Europa.
„Die Wahlerfolge der rabiaten neuen Kleinparteien am rechten Rand, die den alten Volksparteien den Finger zeigten, wurden zwar registriert. Doch für die etablierten Kräfte hatte das eher den Charakter von lästigen Nebengeräuschen.“ (S. 128)
Doch die Populisten begannen ab Mitte der 90er Jahre, politisch Fuß zu fassen. Die FPÖ wurde im Jahr 2000 sogar Teil der österreichischen Regierung. Heutzutage ist der europäische Populismus weit verbreitet.
„Inzwischen ist aus dem damaligen Rumoren im europäischen Untergrund ein tektonisches Beben geworden. Es zu ignorieren oder durch kalkulierte Vernachlässigung entschärfen zu wollen, ist keine strategische Option mehr. (…) Sie sind zwar kaum an Regierungen beteiligt, doch vielfach bestimmen sie entweder die politische Tagesordnung mit, oder sie sind es, die im Alltag die Themen setzen.“ (S. 129)
So wird im Folgenden die Idee der erodierenden Demokratie von Wolfgang Merkel aufgegriffen und erläutert. Zwar hat die Demokratie mit Gleichberechtigung der Geschlechter und sinkender Diskriminierung Erfolge zu verzeichnen, doch haben gravierende sozioökonomische Ungleichheiten tiefe Gräben geschaffen. Hierbei sieht Perger vor allem sozialdemokratische Parteien in der Schuld, da sich diese von ihrem Kernklientel entfernt haben.

Diese „vergessenen“ Menschen scheinen nun besonders anfällig für radikale Lösungsansätze zu sein. Um diese „Enttäuschten“ wieder zu erreichen, sind laut Perger kreative und sozial-intelligente Führungspersonen vonnöten.
„Vertrauen aufzubauen, ist schwer. Noch schwerer aber ist es, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Das ist der Stresstest für die Demokraten und für das europäische Demokratiemodell, die historische Kombination aus Rechtsstaat, Sozialstaat und liberaler Demokratie.“ (S. 132f.)
Durch die Vernetzung populistischer Kräfte auf EU-Ebene schreitet laut Perger die Arbeit an einem neuen Demokratiemodell, der „Demokratie ohne Liberalismus“ voran. Hierbei sieht er vor allem den ungarischen Präsidenten Viktor Orban, Marine Le Pen und das russische Staatsoberhaupt Putin, an dessen Führungsmodell sich orientiert wird, involviert. Gleichzeitig scheint die repräsentative Demokratie an akuter Führungs-, Ideen- und Entscheidungsschwäche zu leiden.

Eine der Strategien der Populisten besteht darin, durch mehr Abstimmungen bzw. mehr „Volksbeteiligung“ die parlamentarische Demokratie immer mehr einzugrenzen und auszuhöhlen. Dies wird als „plebiszitäre Transformation“ bezeichnet, bei der unter Umständen der Kern der repräsentativen Demokratie verloren gehen könnte.

Unter populistischen Parteien ist der Anti-Amerikanismus weit verbreitet. In Zeiten eines permanenten Informationskrieg warnt Perger, dass die europäischen Populisten auch ohne Regierungsbeteiligung entscheidenden Einfluss auf die gesellschaftliche Meinung erlangen könnten.
„So geht der Kampf um die »kulturelle Hegemonie« in Europa von der Ebene nationaler Kämpfe zwischen alten und neuen Parteien in die große Konfrontation der gegensätzlichen Systeme über.“ (S. 135f.)
Laut Perger befinden wir uns in einem kalten Krieg zwischen Demokraten und Antidemokraten. Die Vision eines postdemokratischen Führerstaates scheint nicht allzu weit entfernt. Zwar beendete Russland mit der Annexion der Krim faktisch eine lange europäische Friedenszeit, doch sieht Perger die größte Gefahr in dem aggressiven Potenzial der populistischen Parteien in der jeweiligen eigenen Gesellschaft.
„Deshalb sind die »Putin hilf« Plakate aus dem Pegida-Milieu für den Historiker so beunruhigend - als Ausdruck einer »kruden Mischung von Antiamerikanismus und einer merkwürdigen Verklärung deutsch-russischer Gemeinsamkeiten«.“ (S. 136)
Die europäischen Populisten seien, so Perger, vor allem mit der Unterstützung Putins durchaus in der Lage, die alten demokratischen Machteliten herauszufordern bzw. diese in Bedrängnis zu bringen.

Dienstag, 24. Januar 2017

Länderstudien: Italien / Lega Nord

Zusammenfassung der Referatsgruppe 

Geschichte
  • 1987: Gründung durch Umberto Bossi als Lega Lombarda
  • 1992: Umbenennung in „Lega Nord“ in Folge des Durchbruchs bei den Parlamentswahlen (8,7%)
  • 1994: Regierungspartei mit Forza Italia für kurze Zeit
  • 2001: erneutes Bündnis mit Forza Italia; Sieg bei Parlamentswahlen
  • 2001-2006: Regierungspartei in Rom
  • 2008-2011: erneut Regierungspartei in Rom
Existenzkrise 2012
  • Veruntreuung von Parteifinanzierung durch Umberto Bossi
  • Übernahme der Partei „Lega Nord“ durch Matteo Salvini
  • knapper Einzug der Partei ins Parlament
Neupositionierung 2014
  • „No Euro“ – Austritt aus dem Euro
  • Verschärfung der Kampagne gegen Ausländer; Forderung von geschlossenen Grenzen
  • Kurswechsel: Wähler in ganz Italien mobilisieren
Wählerschaft
  • Kleine Unternehmer und Selbstständige
  • Arbeiter und Arbeitslose
  • Jungwähler unterrepräsentiert
Wählermobilisierung
  • Nord Interesse an erster Stellen; gegen den "korrupten Zentralstaat" und den Süden
  • Verlustängste mobilisieren
  • Offener Sezessionismus
  • Gegen Euro und Ausländer
Padanien

Padanien ist ein Begriff, der in den 1990er-Jahren von Gianfranco Miglio aufgegriffen wurde. Er soll den wirtschaftlich starken Norden Italiens bezeichnen. Später wurde Padanien allerdings parteiintern noch auf weitere Regionen ausgedehnt. Es bestand nun aus der Lombardei, Venetien, dem Piemont, der Toskana, Emilia, Ligurien, Marken, Friaul-Julisch Venetien, Romagna, Umbrien, Trentino, Südtirol und dem Aostatal.

Am 15. September 1996 rief Umberto Bossi schließlich die „Unabhängigkeit der Bundesrepublik Padanien“ aus. Es gründete sich ein Parlament. Dieses wurde allerdings von anderen italienischen Parteien nicht anerkannt und verschwand daher rasch wieder in der Bedeutungslosigkeit. Die angedachte Abspaltung Padaniens von Italien wurde 2001 letztendlich wieder auf Eis gelegt.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Länderstudien: Schweiz / SVP

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Entwicklung der SVP
  • 1936: Gründung der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB)
  • 1971: Umbenennung in SVP (Schweizerische Volkspartei)
  • Etablierung als Gegnerin einer außenpolitischen Öffnung der Schweiz
  • 1990er: unter Christoph Blocher Bewegung nach rechts (reicher Unternehmer, der z.B. provozierende Kampagnen der Partei finanziert)
  • Ablehnung des EWR-Beitritts
  • Migrationspolitik, die durch Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit geprägt ist
  • Nationalratswahlen 2007 28,9 %, große Wählerstimmenverschiebung, grundlegende Veränderung des Parteiensystems
  • 2008 Abspaltung des moderaten Flügels der SVP mit dem neuen Namen Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP)
  • SVP besitzt 2 Sitze im 7-köpfigen Bundesrat, der Regierung

Parteiprogramm: Durch das gesamte Parteiprogramm führt der Hund Willy, das Maskottchen der SVP. Es ist sehr bunt und beinhaltet viele Bilder und Grafiken, die unterstützend wirken sollen. Die SVP wirbt damit, "Scheinasylanten" und "Wirtschaftsmigranten" konsequent abzuschieben. Außerdem sollen Personen, die aus sicheren Drittstaaten in die Schweiz einwandern, kein Asyl bekommen. Des Weiteren wirbt die SVP damit, dass sie die Nothilfen für Personen mit abgelehntem Asylantrag senken und die Abschiebung dieser Personen fördern will. Die Grenzkontrollen in der ganzen Schweiz sollen stark ausgeweitet werden. Für den Bürger bedeutet das laut der SVP mehr Sicherheit, und als Steuerzahler hat man den Vorteil, dass einem weniger Scheinasylanten auf der Tasche liegen. Außerdem meint die SVP, dass dadurch weniger Kriminalität in der Schweiz herrscht und die humanitäre Tradition der Schweiz so fortgesetzt werden kann.

Volksinitiative „Masseneinwanderung stoppen!“

Die Volksinitiative „Masseneinwanderung stoppen!“ wurde von der SVP seit 2011 lanciert. Sehr schnell konnte die Partei hiermit Anklang im Volk finden. Dennoch war bis kurz vor der Volksabstimmung am 9. Februar 2014 nicht klar, für was sich das Volk entscheiden würde. Umfragewerte, die drei Wochen vorher erhoben wurden, zeigten eine Tendenz gegen die Initiative. Somit kam es doch eher überraschend, als 50,3% der Bevölkerung bei einer Stimmbeteiligung von 56,6% für die Volksinitiative der SVP stimmten. Auffällig war, dass ein großer Teil der Pro-Stimmen aus der deutschsprachigen Schweiz und ländlichen Gegenden kamen. Außerdem stimmten die Menschen in Gegenden, in denen viele Menschen mit Migrationshintergrund wohnen, tendenziell gegen die Initiative.

In der Volksinitiative „Masseneinwanderung stoppen!“ forderte die SVP, dass die Zuwanderung in die Schweiz durch Höchstzahlen gesteuert werden soll. Außerdem sollen der Anspruch auf Aufenthalt, Familiennachzug und Sozialleistungen eingeschränkt werden. Stark kritisiert wurde die Initiative vom Schweizer Parlament. Argumentiert wurde beispielsweise damit, dass durch Kontingente für die Einwanderung gegen das Freizügigkeitsabkommen mit der EU verstoßen würde. Das sei zum einen schlecht für die Beziehungen zu den EU-Staaten, vor allem zu den direkten Nachbarländern, zum anderen wäre die Initiative schlecht für die Wirtschaft, da die Schweiz durch die Migration von hochqualifizierten Arbeitskräften sehr stark profitiert. Des Weiteren drohe durch die Initiative die Erschaffung eines Bürokratiemonsters. Argumente der Befürworter waren vor allem, dass die unkontrollierte Migration negative Folgen für die Schweizer Bevölkerung habe, zum Beispiel die schlechte Wohnungslage oder Lohndumping.

Prägnant kann man hier die Abgrenzung der SVP gegenüber der EU erkennen. Diese wird als „falsche“ Elite dargestellt und ist somit unerwünscht. Genau mit diesem Kurs gewann und gewinnt die SVP immer noch sehr viele Wähler für sich. Den Antipluralismus als zweites zentrales Merkmal für Populismus kann man an diesem Beispiel durch die ablehnende Haltung gegenüber Ausländern erkennen: „die Schweiz den Schweizern“. Allgemein äußert sich die SVP sehr islamfeindlich, bekannt ist zum Beispiel die Volksinitiative gegen den Neubau von Minaretten, die für die SVP auch erfolgreich ausging.

Freitag, 16. Dezember 2016

Länderstudien: Niederlande / PVV

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Umfragen zur Parlamentswahl im März 2017 erwarten einen starken Rechtsruck im niederländischen Parlament. Die aktuellen Regierungsparteien, die rechtsliberale VVD und die sozialdemokratische PvdA, verlieren demnach einige Sitze, während der rechtspopulistischen Partei PVV deutliche Gewinne vorausgesagt werden.

Fortuyn, van Gogh und Wilders – die Anfänge des Rechtspopulismus 

Pim Fortuyn (1948-2002)
  • Soziologe, Publizist und Politiker
  • bis 1989 Mitglied der sozialdemokratischen PvdA, danach der rechtsliberalen VVD
  • später Kritiker der sozialliberalen Regierung und des Islam
  • bekennender Homosexueller
  • Buch „Gegen die Islamisierung unserer Kultur“
  • Februar 2002: „Liste Pim Fortuyn“ (LPF)
  • 6. Mai 2002: Ermordung durch militanten Umweltschützer
  • Parlamentswahlen 15. Mai 2002: Großer Sieg der LPF mit kurzer Regierungsbeteiligung
Theo van Gogh (1957-2004)
  • Filmregisseur und Satiriker
  • polarisierte mit provokanten und zynischen Äußerungen u.a. zur multikulturellen Gesellschaft und dem Islam
  • Dokumentarfilm über Pim Fortuyn
  • Ermordung durch einen radikalen Islamisten am 2. November 2004
Geert Wilders (*1963)
  • niederländischer Vater, indonesisch-niederländische Mutter
  • seit 1998 Mitglied des niederländischen Parlaments, bis 2004 für die VVD
  • 2006 Gründung der „Partei für die Freiheit“ (PVV)
  • politische Positionen: sieht sich in der Nachfolge Pim Fortuyns, scharfer Kritiker der EU, Ablehnung des Islam, vertritt gesellschaftspolitisch liberale Positionen
Die rechtspopulistische PVV
  • Ideologie fußt auf Islam-Alarmismus, Populismus, Nationalismus sowie Recht und Ordnung
  • Wilders ist einziges offizielles Mitglied; Abgeordnete, Vertreter in Provinzen und Gemeinden sind formal Angestellte/ Freiwillige
  • keine öffentliche Gelder, da weniger als 1000 Mitglieder, deshalb arme Partei
  • angewiesen auf kostenlose (Wahl-) Werbung durch permanente Präsenz in den Medien; dies wird erreicht durch (immer radikalere) Provokationen
  • Wählerschaft überwiegend aus der Arbeiterschicht und unteren Mittelschicht, tendenziell weniger gebildet, marginaler Unterschied zwischen Männern und Frauen, jung und alt; Mehrzahl lebt in den stärker besiedelten Provinzen im Westen (Rotterdam / Den Haag), traditionelle Arbeiterviertel (neue Vorstädte) 
Die PVV im europäischen Vergleich
  • Gemeinsamkeiten mit anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa: Islamfeindlichkeit, Kritik an der Europäischen Union, anti-elitär (gegen Haager Establishment), anti-pluralistisch, (mediale) Aufmerksamkeit durch Provokationen, liberale Wirtschaftspolitik wie die schweizerische SVP
  • Unterschiede zu anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa: liberale Ausrichtung bei gesellschaftlichen Fragen, kein eindeutiges Stadt-Land-Gefälle, formal ist die PVV eine Ein-Mann-Partei

Länderstudien: Polen / PiS

Zusammenfassung der Referatsgruppe 

PiS ("Recht und Gerechtigkeit")

  • 2001 von den Zwillingen Lech und Jarosław Kaczyński gegründet
  • Gemeinsame Parteiführung bis zum Tod von Lech Kaczyński (2010)
  • Zu Beginn eher autoritär/sozialpopulistisch geprägt, dann national-katholisch
  • Nationalstaat im Zentrum als Bewahrer von Normen und Moralvorstellungen
  • Slogan „Heiligkeit der Familie“ (strenge Abtreibungsgesetze, Ablehnung der Gleichstellung von Mann und Frau)
2005 – 2007
  • Wahl 2005: PiS mit 26,9 % stärkste Kraft im Parlament, Koalitionsregierung
  • Heftiges Vorgehen gegen Oppositionelle (Politiker, Medien, Unternehmer)
  • Verbündete sich mit extremen Gruppen (Nationalisten, Anti-Europäer, Fremdenfeindlichkeit, katholische Fundamentalisten)
  • Kaczyńskis fordern Abgrenzung Polens gegen linken Pluralismus (gegen moralische Vielfalt sowie Rechte für Minderheiten und das Individuum)
  • EU-kritisch: Befürchten Dominanz starker Länder (Deutschland)
  • Regierungskoalition der PiS zerbricht 2007 frühzeitig
Smolensk
  • April 2010: Flugzeugabsturz bei Smolensk (Ursache: menschliches Versagen)
  • Lech Kaczyński sowie weitere Regierungsmitglieder und Militärs sterben
  • Jarosław Kaczyńskis Verschwörungstheorie: Anschlag der Russen, Donald Tusk und seine damalige Regierung sind beteiligt. Sie sind Verräter des polnischen Volkes...
  • Spielfilm zur Stützung der Verschwörungstheorie entsteht
  • Smolensk-Bewegung: Einige sehen in Jarosław Kaczyński die Person, die Polen wieder dem polnischen Volk zurückgeben kann und die Regierung aus den Händen Russlands befreien kann
PiS an der Spitze
  • Wahl 2015: 37,6% der Stimmen, absolute Mehrheit in beiden Kammern (Sejm, Senat) des Parlaments
  • Westen Polens: sozioökonomisch gut entwickelt, urban geprägt, wählt nicht die PiS, sondern liberale Bürgerplattform PO
  • Osten Polens: weniger sozioökonomisch entwickelt, ländlich, nationalkonservativ, Hochburgen der PiS
  • umstrittene Gesetzesvorhaben der PiS: extrem strenges Abtreibungsgesetz, Lähmung des Verfassungsgerichts, Einschränkung der Versammlungsfreiheit, Vorgehen gegen oppositionelle/liberale Medien („Gazeta Wyborcza“)

Freitag, 9. Dezember 2016

Länderstudien: Ungarn / Fidesz

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Fidesz
  • Akronym für „Bund Junger Demokraten“
  • Vorsitzender: Viktor Orbán, Ministerpräsident
  • Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP)
1988 – 2000
  • Gründung im Jahr 1988, in den Anfangsjahren Partei junger Intellektueller, stand für Marktwirtschaft, Jugend und Freiheit
  • 1990 Einzug in das Parlament mit 9%
  • Nahm in den 1990er Jahren konservativ-wirtschaftsliberale Positionen ein
  • 7% bei der Parlamentswahl 1994
  • Orbán leitete Transformation ein: Partei rückte stärker nach rechts, da rechte Parteien zersplittert waren und der linke Flügel durch MSZP stark besetzt war
  • Fidesz erhielt 1998 38% der Stimmen und trat unter Viktor Orbán als Ministerpräsident mit der Unabhängigen Kleinlandwirtepartei in eine Koalition bis 2002 ein
2000 – 2010
  • Opposition von 2002 bis 2010, „Wahlniederlage“ 2002 mit 41% und 2006 mit 42%, starke Fragmentierung des Parlaments 2006: MSZP 43%, Fidesz 42%, SZDSZ 6,5%, MDF 5,0%
  • Wahlerfolg bei der Europawahl 2004, 13 Sitze im Europäischen Parlament
  • Fidesz konnte Kapital aus Korruptionsskandalen der sozial-liberalen Koalition (2006-2010) und der Bankenkrise 2008 schlagen, Unterstützung Ungarns mit 20 Mrd. Euro durch IWF, EU und Weltbank aufgrund ökonomischer Krise
  • Wahlerfolg bei der Parlamentswahl 2010 mit Zweidrittelmehrheit, Ministerpräsident: Viktor Orbán
2011 – 2016
  • Umstrittene Verfassungsänderung im Jahr 2011: Verkleinerung des Parlaments von 386 auf 199 Sitze, Einrichtung der Kontrollbehörde NMHH zur Überwachung privater und staatlicher Fernseh- und Radiosender, Zeitungen und Internetseiten, Einschränkung des Verfassungsgerichts, Gesetze nur noch verfahrensrechtlich, nicht mehr inhaltlich zu prüfen, "der von der Verfassung gewährte Schutz der Familie wird eingeengt auf Mann und Frau, die miteinander verheiratet sind und Kinder großziehen“, Leiter(in) des Nationalen Justizamtes kann bestimmte Fälle bestimmten Gerichten zuweisen
  • Fidesz erhielt bei der Parlamentswahl 2014 133 Sitze und verfehlte erneute Zweidrittelmehrheit knapp, Ministerpräsident: Viktor Orbán
  • Bau eines Grenzzauns im Jahr 2015 zu Serbien
  • Orbáns Referendum 2016 gegen EU-Quote für Flüchtlinge mit 39,9% ungültig
"System Orbán"
  • dysfunktionales und liberal geprägtes “System des Systemwechsels” → deshalb Umstrukturierung durch Orban
  • Fidesz als Hegemonialpartei mit politischer und gesellschaftlicher Integrationsfunktion
  • institutionelle Reformen → Einschränkung der Autonomie von Verfassungsgericht, Justiz und Nationalbank
  • Vermittelt die „Stimme des Volkes“, fordert Regieren auf „nationaler Grundlage“ und „im Interesse der Menschen“
  • Heutige Rhetorik prägt vor allem die Kritik am internationalen Großkapital sowie an „den Reichen“ im allgemeinen, heftige Verbalattacken gegen Banken und das Kapital seit dem Ausbruch der Krise
  • Gegenüberstellung von „alter Ordnung“ und „neuem Zeitalter", Klassifizierung der Wahlen und der Ermächtigung durch zwei Drittel der Wählerstimmen als „Revolution“
  • Duldung rechtsextremer Äußerungen, eindeutige Abgrenzung von der rechtsradikalen Seite wird vermieden

Freitag, 2. Dezember 2016

Länderstudien: Österreich / FPÖ

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Jörg Haider als zentrale Identifikationsfigur der FPÖ
  • *26 Januar in 1950 in Goisern, Oberösterreich
  • Vater war Mitglied der NSDAP
  • 1979 Einzug in den österreichischen Nationalrat als jüngster Abgeordneter
  • 1983 Obmann der Kärntner FPÖ
  • 1986 Vorsitzender der FPÖ
  • 1989 Landeshauptmann von Kärnten, verlor das Amt aber wieder durch folgende Aussage: „Na, das hat’s im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen.
  • 1999 FPÖ gewinnt mit Haider als Spitzenkandidat die Wahl zum Kärntner Landtag mit 42,09%, Haider wird Landeshauptmann
  • 2000 Rücktritt als FPÖ-Vorsitzender
  • Pflegt Freundschaft mit Saif al-Islam al-Gaddafi, besuchte Saddam Hussein
  • 2005 Gründung der BZÖ
  • 2008 Haider stirbt durch einen Autounfall, bei dem er 1,8 Promille im Blut hatte
Erklärungsansätze für den Erfolg der FPÖ
  • Erstarrung des politischen System Österreichs
  • Autoritäre Grundeinstellung der Wähler
Parteigeschichte
  • 1955 Gründung als Nachfolgepartei des „Verbands der Unabhängigen“
  • 1986 Haider übernimmt Parteiführung
  • Entwicklung zu rechtspopulistischer, österreichpatriotischer Volkspartei
  • In den 1990ern zweitstärkste Partei Österreichs; aktuell: drittstärkste Partei
  • Bundesparteiobmann Strache gelang es, Partei auf Niveau der 1990er Jahre zu stabilisieren (ca.20%)
  • kein Ende des Rechtspopulismus in Österreich durch den Tod Haiders
  • FPÖ ist kein vorübergehendes Politikphänomen, sondern eine Konstante der österreichischen Innenpolitik
Regierungsbeteiligungen der FPÖ
  • 1983-1986: Rot-blaue Koalition (SPÖ/FPÖ)
  • 2000-2006: „Wenderegierung“ (ÖVP/FPÖ)
  • Brachte internationale Schlagzeilen + Sanktionen der EU
  • Massive Korruption bei Privatisierungen, notwenige Reformen im Pensions- und Sozialsystem
  • 2005: Spaltung BZÖ und FPÖ
FPÖ in der Opposition
  • Mitbestimmen in Regierungspolitik gelingt seit Haider auch von der Oppositionsbank aus
  • Dominiert Integrations- und Migrationsdiskurs in Österreich
Wähler
  • Männlich (29% der männlichen Wähler)
  • Einfache, nicht akademische Ausbildung
  • Modernisierungsverlierer
  • Stärkste Partei bei ArbeitnehmerInnen
Funktionärskader
  • Zentral und straff organisiert
  • Freisinnige, national gestimmte Liberale aus selbständigen Berufen
Vergleich AfD und FPÖ
  • Viele Ähnlichkeiten im Aufstieg beider Parteien
  • Verunglimpfung der Medien als Lügenpresse
  • Talkshows beschäftigen sich nur noch mit Partei anstatt mit Sachfragen
  • Bieten von Alternativen für die scheinbare Alternativlosigkeit mancher Themen (EU/ Flüchtlingskrise)
  • Haider: „Man muss Wahlen gewinnen.“
Bundespräsidentenwahl 2016

Im ersten Wahlgang am 24. April 2016 standen sechs Kandidaten zur Wahl, davon konnten sich Alexander van der Bellen von den Grünen (21,3% der Stimmen) und Norbert Hofer von der FPÖ (35,1% der Stimmen) für die Stichwahl qualifizieren. Bei der Stichwahl am 22. Mai 2016 setzte sich Alexander van der Bellen hauchdünn mit 50,35% der Stimmen gegen Norbert Hofer durch (49,65%). Dieses Ergebnis wurde jedoch (auf Hinweis der FPÖ) aufgrund von Unregelmäßigkeiten, vor allem durch zu frühe Stimmauszählung, annulliert. Der Verfassungsgerichtshof hat daraufhin die Wiederholung der Wahl im Oktober angeordnet. Wegen fehlerhafter Briefumschläge konnte die Wiederholung nicht stattfinden, da die bereits per Briefwahl eingeschickten Stimmen für ungültig erklärt wurden. Die Wahl wurde auf den 4. Dezember 2016 verschoben.

Mittwoch, 30. November 2016

Länderstudien: Frankreich / FN

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Der Front National (FN) wurde 1972 als Zusammenschluss mehrerer nationalkonservativer politischer Gruppen unter anderem von Jean-Marie Le Pen gegründet. Mit dem Wechsel an der Parteispitze von Jean-Marie Le Pen zu seiner Tochter Marine Le Pen wandelte sich die Politik des FN. Marine Le Pen wandte sich gegen die rassistischen und antisemitistischen Einstellungen ihres Vaters und versuchte, die Partei in die rechte Mitte zu rücken, um sie anschlussfähig zu machen.

Es gibt aber auch viele Kontinuitäten. Hauptmerkmale des FN heute sind - neben der für Populisten grundlegenden Anti-Establishment-Ausrichtung - eine Anti-Islam-, Anti-Einwanderung- und Anti-Integration-Position. Die Partei bezeichnet sich als patriotisch, national und souveränistisch und sieht sich weder rechts noch links positioniert.

Die Kernaussage der FN-Ideologie beschreibt den Identitätsanspruch mit der Forderung: „Franzosen zuerst!“ Weitere Programmpunkte sind der Austritt aus der EU und der NATO sowie die Nationalisierung der Banken, Rüstungsindustrie und anderer Wirtschaftszweige.

Die rechtspopulistische Partei erlebte in den letzten Jahren einen Aufschwung, der sich in je 2 Sitzen in der Nationalversammlung und im Senat sowie in 24 Sitzen im Europaparlament widerspiegelt. Wie lässt sich dieser Aufschwung erklären?

Mittwoch, 23. November 2016

Länderstudien: Frankreich / FN

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Der Front National - auf dem Weg an die Macht?

Die französische Partei „Front National“ (FN) ist rechtspopulistisch und bezeichnet sich selbst als national und patriotisch. Seit Marine Le Pen 2011 zur Vorsitzenden gewählt wurde, distanziert sie sich von Antisemitismus und Rassismus, jedoch kann man der Partei weiterhin eine Anti-Islam-Haltung nachweisen. Ihre wichtigste Forderung lautet: „Franzosen zuerst“. Die weiteren Ziele sind ähnlich die der anderen rechtspopulistischen Parteien, so zum Beispiel ein Austritt aus dem Schengen-Raum und aus dem Euro.

Seit den Wahlen 2012 ist der FN die drittstärkste Kraft in Frankreich, und für die Wahlen 2017 wird ihnen sogar ein Ergebnis um die 30% prognostiziert. Dieser Erfolg lässt sich an mehreren Faktoren festmachen. Zum einen daran, dass der FN die Ablehnung der etablierten Parteien am besten verkörpert, zum anderen am Hochhalten "einfacher Werte". Außerdem spielt es auch eine große Rolle, dass der FN es geschafft hat, auch auf kommunaler Ebene Erfolge zu feiern und sich dort eine breite Basis aufzubauen.

Bei den Wahlen 2012 kamen die meisten Wähler des FN aus der Mittel- bzw. Unterschicht. So stimmten 36% der ungelernten Arbeiter und 33% der Facharbeiter für Marine Le Pen, 21% unter einfachen Angestellten, insbesondere im Dienstleistungssektor, sowie 30% der Frauen, die als ungelernte Angestellte im Handel beschäftigt sind, einen festen Job aufgegeben haben, um Mutter und Hausfrau zu werden oder arbeitslos bzw. im Ruhestand sind.

Das Thema des folgenden Videos (Weltspiegel) ist, wie der FN es schafft, junge, intelligente Menschen für sich zu gewinnen, und wie der Erfolg auf kommunaler Ebene zu erklären sein kann: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/frankreich-die-rechte-marschiert-100.html

Dienstag, 15. November 2016

Länderstudien: Deutschland / AfD

Zusammenfassung der Referatsgruppe

Entwicklung der AfD

2013
  • Gründung in Berlin (Gründer: Bernd Lucke) als Reaktion auf die Euro-Rettungspolitik
  • Kein Einzug ins Parlament bei der Bundestagswahl 2013
2014
  • Einzug ins Europaparlament (7 Sitze)
  • Einzug in die Landesparlamente in Sachsen, Brandenburg und Thüringen (~ 10%)
2015
  • Einzug in die Landesparlamente in Hamburg und Bremen (~ 6%)
  • Gründung des Vereins „Weckruf 2015“ (Ziel: Erhaltung der AfD als politische Partei)
  • Juli 2015: Essener Parteitag: Petry bekommt 60% der Stimmen, es folgt ein Führungswechsel, Lucke tritt aus = Rechtsruck der Partei
  • Weckruf 2015 wird zu ALFA (Allianz für Fortschritt und Aufbruch)
 2015/2016
  • Flüchtlingskrise begünstigt den Aufstieg der AfD. Umfragewerte: > 10%
2016
  • Einzug in die Landesparlamente in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt (Frühjahr) sowie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (Herbst)
Ziele für 2017: Als starke Opposition in den Bundestag einziehen

Aktuelle Studie zur AfD

Wie viel Unterstützung hat die Alternative für Deutschland? Wer sind die WählerInnen der AfD? Welche Anliegen haben diese? Auf diese Fragen versucht die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Antwort zu geben (Stand 24.08.2016). Sie kommt zu folgendem Schluss:
„Die AfD zieht derzeit vor allem AnhängerInnen unter ehemaligen NichtwählerInnen und WählerInnen rechtsextremer Parteien an, aber auch für die Parteien Die Linke und FDP stellt die noch junge Partei eine Konkurrenz dar. Im Einklang mit der deutlich stärkeren rechtspopulistischen Ausrichtung und der Fokussierung auf das Thema Migration steht der Befund, dass die AfD insbesondere unter Personen auf „offene Ohren“ stößt, die sich politisch rechts verorteten, Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland und große Sorgen um Zuwanderung äußerten.“
Die genauen Ergebnisse der Studie und Vergleiche mit den Jahren 2014 und 2015 unter folgendem Link: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.541584.de/16-34-1.pdf

Rede von Björn Höcke

Björn Höcke ist ein Politiker der AfD, der immer wieder durch umstrittene Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Er ist außerdem seit den Landtagswahlen 2014 AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag. Die folgende Rede vom 26.10.16 auf einer AfD-Demonstration in Erfurt unter dem Motto „Grenzen schützen- soziale Sicherheit schaffen“ zeigt exemplarisch die rechtspopulistische Rhetorik: