Samstag, 16. Mai 2020

Marine Le Pen und die Corona-Krise

Ein Hinweis von Susanne Heller

In Frankreich versucht die Parteivorsitzende des Rassemblement National, Marine Le Pen, die Auswirkungen der Corona-Krise zu ihrem Vorteil zu nutzen. Der am 13. Mai 2020 in der Süddeutschen Zeitung erschienene Artikel von Nadja Pantel mit dem Titel „Wie Le Pen die Wut der Bürger nutzt“ beschreibt sehr gut, wie sie Zuwanderer, Europa und Präsident Macron für die Krise verantwortlich macht.

Le Pens zentrale Thesen lauteten stets: „Ausländer sind schuld. Die Regierung verachtet das Volk. Die Europäische Union schadet dem Land“. Diese hat sie nun ganz einfach auf diese Krisensituation übertragen, indem sie den politischen Diskurs verschiebt und die Aufmerksamkeit auf etwaige Regelverstöße von Migranten gegen die Ausgangssperre lenkt. Wie wir in den Vorträgen bereits gehört haben, ist dies typisch für rechtspopulistische, beziehungsweise in diesem Fall teilweise rechtsextreme Parteien.

Außerdem wird in dem Artikel sehr gut beschrieben, wie Le Pen die Fehler Macrons und die innereuropäischen Konflikte zu ihrem Vorteil nutzt. Sie stellt sich als Führsprecherin der französischen Bürger dar, die stark unter Arbeitslosigkeit und Zukunftsängsten aufgrund der Corona-Krise leiden. Im Gegensatz dazu wird das Krisenmanagement Macrons von der Bevölkerung mittlerweile sehr negativ bewertet.

Normalisierung rechtspopulistischer Positionen durch Mainstream-Parteien am Beispiel Frankreichs

Ein Hinweis von Dominik Kleinknecht

Mehdi Hasans Artikel "Marine Le Pen Is What Happens When You Try to Meet Racism in the Middle" wurde am 24.04.2017 auf der publizistischen Website "The Intercept" veröffentlicht. Es handelt sich um eine historische Analyse rechtspopulistischer Rhetorik, verfasst im Vorfeld der Stichwahl zur französischen Präsidentschaftswahl 2017 zwischen Emmanuel Macron ("La République en Marche!") und Marine Le Pen ("Front National", seit 2018 "Rassemblement National"). Der britische Journalist zeigt auf, wie französische Parteien im Kampf um Wählerstimmen rechtspopulistische Ideen in der Öffentlichkeit salonfähig machten und dadurch den Aufstieg des Front National nachhaltig begünstigten.

Freitag, 15. Mai 2020

Populisten in der Corona-Krise

Ein Hinweis von Christian Netzer

Rechtsaußen-Parteien profitieren in der Corona-Krise nur, wenn sie regieren. In vielen europäischen Ländern sacken sie in den Umfragen ab, zeigt eine Studie. Doch der Bericht warnt vor einem "populistischen Backlash". Der Artikel „Populisten in der Corona-Krise: Rechte Verlierer, rechte Gewinner“ von Severin Weiland beschreibt die momentane Lage und die dazugehörigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Populisten wie z.B. die AfD sowie andere Parteien in Europa. Die AfD ist mit ihren Sorgen nicht allein. Auch weitere rechte Parteien in vielen anderen europäischen Ländern schwächeln, zumindest wenn sie in der Opposition sind.

Interview zu rechtsextremen Mechanismen

Ein Hinweis von Kathrin Janke

In der Schwäbischen Zeitung wurde am 14. März 2020 ein Artikel von Katja Korf mit dem Titel „Experten-Interview: Wie die Mechanismen der Rechtsextremen funktionieren“ veröffentlicht. Korf befragte Anna-Katharin Kirsch und Daniel Köhler zu rechtspopulistischen Themen. Es geht zum einen um die Entwicklung der Parteien und die rechtsextreme Szene, die sich mittlerweile auch internationalisiert hat. Zum andern spricht sie auch den Einfluss der Medien und des Internet an. Was ist der Unterschied zwischen radikalen Tätern im Netz und den klassisch Rechtsextremen? Außerdem geht es um das Verhalten der rechtsextremen Personen, wie diese aussteigen können und wie Eltern und Lehrer*innen radikalisierten Jugendlichen – vor allem im Netz – helfen können.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Fortschreitende Radikalisierung der AfD

Ein Hinweis von Laura Enderle

Am 12.03.2020 veröffentlichte ZEIT-Online einen Artikel zur AfD und ihrer Einordnung im politischen Spektrum unter dem Titel: „Das Ende der Mär von der Bürgerlichkeit“ von Paul Middelhoff. Darin wird analysiert, we die AfD sich als Partei der konservativen Mitte (rechts der CDU) darstellt und von sich sagt, es habe immer mal wieder einzelne rechte Querköpfe gegeben, die man aber aussortiert habe.

Nun jedoch hat der Verfassungsschutz den "Flügel" der AfD, dem mindestens 20% der Parteimitglieder angehören, als rechtsextrem eingestuft. Also nicht mehr rechtspopulistisch, sondern wirklich rechtsextrem! Dieser Flügel sammle sich vor allem um den Thüringer Parteivorsitzenden Björn Höcke, in dessen Äußerungen immer wieder "Verstöße gegen Demokratie, Menschenwürde und Rechtsstaatsprinzip" zu finden seien (so Haldenwang, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz).

Es wird jedoch nicht über die ganze AfD gesprochen: das Bezeichnen der Partei als „Prüffall“ wurde per Gericht verboten. Trotzdem ist vor allem in Ostdeutschland zu erkennen, dass der „Flügel“ großen innerparteilichen Einfluss besitzt: dort wird bestimmt, wer in der AfD politische Karriere macht und wer nicht. Das erinnert an die Beschreibung von Paula Diehl in ihrem Vortrag, dass rechtspopulistische Parteien sich zunehmend rechtsextremer Ideologeme bedienen.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Debatte: Ist die AfD rechtspopulistisch?

Ein Hinweis von Denise Fabienne Lehmann

Der Artikel „Ist die Alternative für Deutschland eine rechtspopulistische Partei?“ von Alexander Häusler und Oskar Niedermayer ist am 17.01.2017 auf der bpb-Website erschienen. Darin äußern sich beide Autoren mit unterschiedlichen Stellungnahmen zum Thema Rechtspopulismus innerhalb der AfD.

Alexander Häusler kategorisiert die AfD als eine rechtspopulistische Partei, die sich nicht einfach einordnen lässt. Er begründet dies mit dem Begriff „politisches Chamäleon“, da sich die Partei zu einer radikal rechts orientierten Anti-Establishment-Partei gewandelt hat. Häusler betont zudem den Wandel der Partei innerhalb des Europaparlaments nach der Abwahl von Bernd Lucke. Mithilfe der verbliebenen AfD-Parlamentarier Beatrix von Storch und Marcus Pretzell schwenkte die Partei von einer ursprünglich euroskeptischen/pro-atlantischen ausgerichteten Position zu einem rechtsradikalen antieuropäischen Lager.

Im folgenden Abschnitt wird die Rede des früheren Bundessprechers Konrad Adam aufgegriffen und erläutert, dass die AfD sich zu Beginn als „einzigartig“ inszeniert hat. Jedoch bildet sie eine Zusammenstellung aus ehemaligen Parteigängern der CDU, CSU, FDP und ehemaligen Mitwirkenden aus rechtsextremen Parteien.

Nach diesen ausführlichen Punkten widmet sich Häusler noch der Frage, was der Rechtspopulismus ist. Er beschreibt diesen als eine spezifische Form der Inszenierung und auch als politischen Stil. Durch rechtspopulistische Ansprachen werden u.a. Asylsuchende einem bestimmten Feindbild zugeordnet. Die rechtspopulistische Inszenierung der AfD verkörpert somit die enge Verbindung zwischen den nationalkonservativen Elementen und und dem innerparteilich starken Zuwachs von rechtsradikalen Strömungen.

Oskar Niedermayer stellt sich gegen die Ansicht von Häusler und betont, dass die AfD nicht als rechtspopulistische Partei bezeichnet werden sollte. Dafür listet er vier Gründe auf, die dagegen sprechen. Der Begriff wird als „inflationär“ im Wahlkampf beschrieben, es gibt keine einheitliche Definition des Rechtspopulismus und modernere Rechtspopulismuskonzepte haben immer zwei zu beachtende Komponenten.

Im nächsten Abschnitt definiert Niedermayer sein Verständnis von Populismus und nennt den vierten Grund seiner Einschätzung. Er betont, dass Populismus erst dann „rechts“ ist, wenn bestimmte Gruppen ausgegrenzt werden, die als Bedrohung für das Volk angesehen werden (zum Beispiel Flüchtlinge). Der vierte Grund basiert auf der Bezeichnung „rechtspopulistisch“, wodurch die inhaltlichen Positionen der AfD nicht deutlich gemacht werden. Zum Abschluss stellt Niedermayer die Position der AfD im Sozialkonflikt und im gesellschaftlichen Bereich dar. Zudem verdeutlicht er die Positionen der Brücken zum Rechtsextremismus.

Wichtige Anmerkung: In der Anfangsphase der AfD seit der Parteigründung 2013 wurde die hier beschriebene Debatte geführt, ob es sich bei der neuen Partei um eine nationalkonservative oder eine rechtspopulistische Partei (wie FPÖ, Front National etc.) handele. Mit der Radikalisierung der Partei auf dem Parteitag 2015 und den anschließenden Parteiaustritten gemäßigt rechter Vertreter wurde diese Debatte entschieden. Die AfD konnte eindeutig dem rechtspopulistischen Lager zugeordnet werden. Seit der weiteren Radikalisierung auf dem Parteitag im Jahr 2015 stellt sich der Forschung die Frage, ob die Bezeichnung"rechtspopulistisch" nicht eine Verharmlosung darstellt. Zwischenzeitlich hat sich die Einschätzung durchgesetzt, dass es sich bei der AfD um eine Partei mit rechtsextremistischen Elementen handelt. Am besten trifft wohl der Begriff des bedeutenden Populismus- und Extremismus-Forschers Cas Mudde die AfD wie auch andere Parteien dieser Parteifamilie, der von der "populist radical right" spricht (Ragnar Müller).

Dienstag, 12. Mai 2020

Vortrag von Gregor Gysi zum Populismus

Ein Hinweis von Dennis Trinklein

Gregor Gysi zählt zu den unterhaltsamsten und gleichzeitig scharfsinnigen Rednern der letzten Jahrzehnte. Seine Rede beim DAI Heidelberg trägt den Titel "Triumph des Populismus?", ab min 3.45 geht es auch um Populismus und ab min 7:11 wird es hochinteressant, wenn Gysi drei Schneisen in die Populismus-Debatte einzieht, indem er drei "Linien" unterscheidet:
  • Populismus als Kampfbegriff
  • Populismus als politischer Stil
  • Populismus als Differenzbegriff
Die Rede eignet sich sehr gut als Beitrag zum ersten Teil des Seminars.


Montag, 11. Mai 2020

Film "Das Geheimnis der Orangenkisten"

Ein Hinweis von Felix Schmidt

Auf den Film „Das Geheimnis der Orangenkisten“ möchte ich an dieser Stelle aufmerksam machen. Der 90-minütige Dokumentarfilm wurde von Jochen Farber in Frankreich, den USA, aber vor allem auch in Ludwigsburg gedreht und thematisiert die Einrichtung der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ in Ludwigsburg. Auch geht es darum, dass sich Rechtsextremisten in Ludwigsburg vermehrt niedergelassen hatten.

Ausschnitte des Films können hier gesehen werden: https://orangenkisten.de. Außerdem gibt es von Zeit zu Zeit auch (Online-)Vorführungen des Films. Zuletzt wurde der Film am 8. Mai 2020 in Ludwigsburg gezeigt. Das Demokratische Zentrum Ludwigsburg hat hierzu einen Beitrag verfasst: https://www.demoz-lb.de/event/im-livestream-bei-scala-tv-filmvorfuehrung-das-geheimnis-der-orangenkisten/

Mittwoch, 6. Mai 2020

Sind die USA unter Trump ein "failed state"?

Ein Hinweis von Roman Strauß

ZEIT ONLINE hat am 5. Mai 2020 einen Essay von George Packer, einem der bekanntesten Reporter der USA, mit dem Titel „Wir leben in einem gescheiterten Staat“ publiziert. Packer schreibt von der Inkompetenz der Macht, die auf die Krise wie ein Land mit minderwertiger Infrastruktur reagierte, und er bezeichnet die Corona-Pandemie als die dritte große Krise im noch jungen 21. Jahrhundert – nach dem 11. September 2001 und dem Zusammenbruchs des Finanzsystems im Jahr 2008 –, denn spätestens jetzt sei klar, dass in den USA der Populismus gewonnen hat. Der Artikel erschien zuerst im Magazin „The Atlantic“, für das Packer eigentlich schreibt, mit folgendem Untertitel: „The coronavirus didn’t break America. It revealed what was already broken.“
„Den ganzen schier endlosen März über stellten die Amerikaner jeden Morgen beim Aufwachen fest, dass sie in einem gescheiterten Staat lebten. Da es keinen nationalen Plan, keine einheitlichen Anweisungen gab, mussten Familien, Schulen und Büros selbst entscheiden, ob sie einen Shutdown durchführen und Schutz suchen sollten.“
Es handelt sich um ein Scheitern auf nationaler Ebene, durch die korrupte politische Klasse, die die Öffentlichkeit zerrüttet, und so Fragen aufkommen, die sich die meisten Amerikaner nie stellen mussten:
„Haben wir das nötige Vertrauen zu unserer politischen Führung und zueinander, um gemeinsam gegen eine tödliche Bedrohung vorzugehen? Können wir uns noch selbst regieren?“
Zum Ende seines Essay hin findet George Packer folgende Worte: "Oder wir lernen aus diesen furchtbaren Tagen und sehen, dass Dummheit und Ungerechtigkeit lebensgefährlich sind, dass Bürger zu sein, Arbeit bedeutet, die für eine Demokratie wesentlich ist."

Coronavirus und Rechtspopulismus

Ein Hinweis von Sarah Tenzer

Am 4. Mai 2020 erschien in der Stuttgarter Zeitung der Artikel „Wie Rechtspopulisten an Corona verzweifeln“ von Rafael Binkowski. In diesem Artikel werden die Handlungsstrategien und Meinungen von deutschen rechtspopulistischen Bloggern und Youtubern im Zeitverlauf vom 6. bis zum 27. März bezogen auf das Coronavirus dargestellt. Der Artikel geht dabei detailliert auf die Social Media-Präsenz der Rechtspopulisten ein.

Link: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.politik-und-coronavirus-wie-rechtspopulisten-an-corona-verzweifeln.262ed7cc-22f0-41b3-a3b5-0b29be4c26a5.html

Populisten in Europa im Vergleich

Ein Hinweis von Nastasja Wald

Der Artikel „Wo Populisten in Europa auftrumpfen“ von Marcel Pauly verschafft einen europaweiten Überblick über die Entwicklung und den Erfolg der populistischen Parteien, den sogenannten Anti-Establishment-Parteien. Als Ausgangspunkt des Artikels dienen Wahlergebnisse der nationalen Parlamentswahlen der jeweiligen europäischen Länder aus den vergangenen zwanzig Jahren, deren Entwicklung in Diagrammen veranschaulicht wird. Hierbei wird ein deutlicher Erfolg der rechtspopulistischen Parteien in einigen Ländern Europas, beispielsweise Schweden und Italien, sichtbar. Abschließend ist festzuhalten, dass sich der Populismus ersichtlich in Europa etabliert hat: https://www.spiegel.de/politik/ausland/populismus-in-diesen-laendern-sind-populisten-auf-dem-vormarsch-a-1263335.html

“Quand la France va mal, le Front National va bien“ – Rechtspopulismus in Frankreich

Ein Hinweis von Tina Strobel

Unmittelbar nach den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 hielt Daniela Kallinich einen Vortrag über den Rechtspopulismus in Europa am Beispiel von Frankreich. Sie ist Mitarbeiterin am Göttinger Institut für Demokratieforschung. Der Vortrag behandelt die Entwicklung des französischen Rechtspopulismus vor allem in Bezug auf den „Front National“ (FN). Dabei gibt Kallinich zuerst Erklärungen über das politische System und die politischen Parteien Frankreichs. Dann steigt sie über verschiedene Aussagen, die unterschiedliche französische Parteien getätigt haben, in das eigentliche Thema ein: die Bedeutung, Ursache, Probleme und Folgen für die Entwicklung der französischen Gesellschaft, die insbesondere durch den FN und dessen Wähler vorangetrieben wird (https://www.youtube.com/watch?v=R1UCfBGbf10).

Dienstag, 5. Mai 2020

Medien und Rechtspopulismus in den USA

In der FAZ ist ein sehr interessanter Essay von Jan-Werner Müller zum Themenfeld "Medien und Populismus" erschienen, den man sich als Podcast anhören kann: "Bibel, Axt und Zeitungen". Es geht um das Dilemma der Medien angesichts von Populisten, die Lügen ("fake news") verbreiten, und vermittelt einen guten Einblick in das US-amerikanische Mediensystem und die Ursachen für die Wahl Trumps...

Donnerstag, 30. April 2020

Video zu Rechtspopulisten in Europa

Ein Hinweis von Vincent Heinlein

Im Video ,,Rechtspopulismus: Die Neuen in Europas Parlamenten‘‘ geht es darum, dass es auch in "glücklichen" und wohlhabenden Ländern wie den skandinavischen Staaten Rechtspopulisten in den Parlamenten gibt. Außerdem wird die Situation in Polen und Deutschland betrachtet. Abschließend geht es um den Widerspruch von Bündnissen von Rechstpopulisten im Europäischen
Parlament.


Wirtschaftskrisen und Rechtspopulismus

Ein Hinweis von Vincent Heinlein

Der Artikel ,,Der Rechtspopulismus und der Hass‘‘ von Heiner Flassbeck versucht zu zeigen, wer verantwortlich für Hass und Rechtspopulismus ist. Diejenigen sind zudem auch für die Wirtschaftskrisen 1929 und 2008/9 verantwortlich. Er gibt konkrete Beispiele aus Brasilien, den USA und aus Deutschland. Sein Fazit ist, dass Hass aus einer Sprach- und Machtlosigkeit entstehe: https://makroskop.eu/2020/03/der-rechtspopulismus-und-der-hass/

Montag, 27. April 2020

Tatort zum "Rechtsfeminismus"

Ein Hinweis von Ronja Brodbeck

Im Tatort „National feminin“ vom 26. April 2020 ermitteln Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und ihre Kollegin Anais Schmitz (Florence Kasumba) im Mordfall der jungen Marie. Die Jura-Studentin war eine erfolgreiche Bloggerin und Mitglied der „Jungen Bewegung“, einer Gruppe von rechtsextremen Studierenden (der "Identitären Bewegung" nachempfunden).

Thema des Krimis ist der sogenannte „Rechtsfeminismus“: dessen Anhängerinnen sehen in allen Zuwanderern eine potenzielle Gefahr für deutsche Frauen und fordern lautstark eine „Remigration“ der Flüchtlinge. Den Tatort kann man sechs Monate lang, also bis 26. Oktober 2020 in der ARD-Mediathek anschauen.

Hier im Blog beschäftigen sich mehrere Beiträge von KommilitonInnen mit dieser Thematik:
  • Die Identitäre Bewegung – Rechtsextremisten im populistischen Schafspelz? (zum Beitrag)
  • Verbindungen zwischen AfD und Neuer Rechter am Beispiel Anti-Genderismus (zum Beitrag)
  • Verbindung zwischen Antifeminismus und Rechtspopulismus (zum Beitrag)
  • Das Bild der Frau im Rechtspopulismus - zwischen einer antifeministischen Politik und weiblichen Leitfiguren (zum Beitrag)
Lesen Sie mal rein in diese Texte...

Mittwoch, 22. April 2020

Podcast zu Verschwörungstheorien

Analysiert man die Rhetorik von Rechtspopulisten, dann stößt man eher früher als später auf Verschwörungstheorien. Zu den Experten auf diesem Gebiet zählt der in Tübingen lehrende Michael Butter, dessen lesenswertes Buch "Nichts ist, wie es scheint" (Suhrkamp 2018) zu den besten Veröffentlichungen zum Thema gehört. Anlässlich der Corona-Krise und der in dieser Krise ins Kraut schießenden Verschwörungstheorien war Butter zu Gast bei SWR1 Leute: ...zum Podcast

Samstag, 21. März 2020

Online-Dossier der bpb zum Rechtspopulismus

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) stellt - online und kostenlos - eine Fülle an Materialien zum Thema Rechtspopulismus zur Verfügung. Besonders hinweisen möchte ich auf das laufend aktualisierte Online-Dossier Rechtspopulismus, das eine wahre Fundgrube darstellt. Einige wenige Beispiele:

Donnerstag, 19. März 2020

Ist die AfD eine neue Volkspartei?

Wir werden solange durchhalten, bis wir 51 Prozent erreicht haben. Dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD.“ – Björn Höcke
Am 19. Februar 2020 erfolgte der schlimmste rechtsextremistische Anschlag seit der Wiedervereinigung. Neun Menschen mit ausländischen Wurzeln wurden in zwei Sisha-Bars in Hanau ermordet. Die Mehrheit der Deutschen sieht eine Mitverantwortung der AfD für Hanau. Doch trotzdem ist eine rechtspopulistische Partei im Bundestag vertreten und ist sogar drittstärkste Kraft. Wöchentlich erreichen uns Schlagzeilen von der AfD und es stellt sich die Frage, wie eine doch so offensichtlich rechte Partei so viel Macht erlangen konnte?

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die AfD eine neue Volkspartei ist. Zu Beginn der Arbeit wird die Entstehung der AfD aufgezeigt sowie das Wahlverhalten der WählerInnen. Daraufhin werden die Ursachen für den Wahlerfolg der AfD betrachtet. Dies erfolgt nicht aus soziologischer, sondern aus psychologischer Perspektive. Dieses Kapitel zeigt deutlich, wie sich die AfD die Ängste und Bedürfnisse der BürgerInnen zunutzegemacht hat und ein Wahlergebnis wie bei den Landtagswahlen in Sachsen erreichen konnte.

Im darauffolgenden Kapitel werden die Kennzeichen einer Volkspartei sowie die Entwicklung von CDU/CSU und SPD analysiert. Es wird zudem gezeigt, wie sich die negative Entwicklung der Volksparteien positiv auf die AfD auswirken konnte. Anschließend wird erläutert, inwiefern die AfD eine neue Volkspartei werden könnte.

Sonntag, 26. Januar 2020

Separatismus in Norditalien – Die Lega Nord und ihre Pläne mit Padanien

„Zwischen dem industrialisierten Norden und dem agrarischen Süden herrscht seit jeher ein tiefer Graben, welcher weder durch die gemeinsame Religion noch durch die einheitliche Sprache überwunden werden konnte.“ (vgl. Goller, 2009)
Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, inwiefern in Italien, genauer gesagt in Norditalien, separatistische Bewegungen vorhanden sind, welche Rolle die Partei Lega (vormals Lega Nord) spielt und ob die Pläne der Lega Nord, ein eigenständiges Land mit dem Namen Padanien zu gründen, aktuell sind.

1. Einleitung 

In einem ersten Abschnitt wird auf den Begriff des Separatismus eingegangen, um eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen, anhand derer später der konkrete Fall in Norditalien untersucht werden soll. Überprüft wird daher, wie sich die Lega Nord hinsichtlich der geografisch-politischen Schwerpunktsetzung über die Jahre positioniert hat und wie dies letztendlich zum Plan eines eigenständigen norditalienischen Landes namens Padanien führte.

Das nächste Kapitel widmet sich dem Mythos Padanien. Gibt es tatsächlich eine norditalienische Identität, die sich von einer süditalienischen Identität abgrenzt oder ist das nur eine politische Strategie der Lega, um ihre Pläne im Norden des Landes durchzusetzen (Stichwort Steuerhoheit, Föderalismus)?

Anschließend wird aufgezeigt, dass die Separationsbewegung der Lega Nord nicht lange Bestand hatte und welche Strategie sich die Lega Nord stattdessen zurechtlegte. Umberto Bossi, dem charismatischen Führer und Kopf hinter der Lega Nord sowie den Plänen nach einem eigenständigen norditalienischen Staat Padanien wird ein knappes Portrait gewidmet.

Der letzte Abschnitt soll schließlich die aktuelle Lage beurteilen. Hat die Lega ihre Pläne von einem eigenen, vom Süden unabhängigen Staat aufgegeben, um die Macht im ganzen Land zu ergreifen, mit Matteo Salvini als starkem Mann?

Donnerstag, 23. Januar 2020

Rezension zu Ernst-Dieter Lantermann: Die radikalisierte Gesellschaft

Lantermann, Ernst-Dieter (2016), Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus, Blessing.

Rezension

Autorin: Sarah Daigler

Ob Fitnessfanatiker, Fremdenhasser oder fanatischer Veganer, sie alle werden in dem Buch "Die radikalisierte Gesellschaft" des Sozialpsychologen Ernst-Dieter Lantermann als Beispiele für die Entwicklung zu einer radikalen Gesellschaft aufgeführt. Wer sich nun fragt, inwiefern Fanatismus auch Auswirkungen auf die vegane oder sportliche Lebensführung eines Menschen haben kann, wird in diesem Buch auf knapp 300 Seiten auf mögliche Ursachen und Handlungsmotive der Bürger aufmerksam gemacht.

Die unterschiedlichen Auswirkungen des Fanatismus lassen sich laut Lantermann alle auf die rasante Dynamik von gesellschaftlichen Veränderungen zurückführen, die in der Bevölkerung für Ungewissheit und Unsicherheit im alltäglichen Leben sorgen. Die einst gewohnte Sicht auf sich selbst und die Welt wird gestört und das Sicherheitsgefühl der Menschen geht verloren. Während nun einige Personen in dieser Unsicherheit eine Herausforderung sehen, die aus eigener Kraft bewältigt werden kann, und dadurch ihre Selbstachtung und ihr Selbstwertgefühl gesteigert wird, erleben andere diesen Umbruch als Gefährdung ihrer eigenen Bedürfnisse sowie als Angriff auf ihr Selbstwertgefühl.

Sonntag, 12. Januar 2020

Rezension zu Jaster/Lanius: Die Wahrheit schafft sich ab

Jaster, Romy / Lanius, David (2019), Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen, Reclam.

Rezension

Autorin: Amelie Mathes

Das Reclamheft „Die Wahrheit schafft sich ab – wie Fake News Politik machen“ von Romy Jaster und David Lanius ist ein Buch über den Erfolg von Fake News, was diese sind und was die Sozialen Medien damit zu tun haben. Viele Fakten werden genannt und größtenteils mit Studien oder Ergebnissen von Wissenschaftlern bestätigt. Unter die Lupe genommen werden die Gesellschaft, die Politik und die Sozialen Medien.

Gut definiert und schlüssig erläutert wird, was Begriffe wie Bestätigungsfehler, Bullshit, Gruppenpolarisation oder Konformitätskaskade bedeuten und was sie von ähnlichen Begriffen oder vermeintlich ähnlichen Begriffen abgegrenzt. „Sind Fake News in Wirklichkeit ein alter Hut?“ (S. 25). Unter anderem diese Frage stellen sich die Autoren und gehen ihr auf den Grund.

Eine Checkliste für Fake News, Clickbating, Soziale Medien und die Psyche des Menschen - all das sind Themen in dem Buch von Jaster und Lanius. Wie Verschwörungstheoretiker eng mit Fake News und dessen Vertretern zusammenhängen und sich sogar gegenseitig befeuern. Die Verbreitung von Fake News wird als Spiel mit der Macht bezeichnet:
„[…] Politiker […] verbreiten Fake News nicht in erster Linie, um zu täuschen, sondern um Macht zu gewinnen oder zu vermehren […]“ (S. 83).
Für den Leser ist das Buch sehr angenehm zu lesen. Es ist sehr gut gegliedert und gibt immer wieder eine kleine Zusammenfassung vom Bisherigen. Auch bei Verständnisproblemen mancher Begriffe werden diese im direkten Anschluss erläutert. Interessante Themen und Studien findet man in den Anmerkungen verlinkt. Im Verlauf des Buches werden regelmäßig Rückschlüsse mit Vorherigem gezogen und Beziehungen untereinander hervorgehoben und verdeutlicht, ebenso findet man am Ende eines Kapitels oder zu Beginn des nächsten eine kleine Zusammenfassung bis zu dem aktuellen Stand.

Dadurch dass die vermeintlich fremden Begriffe so gut erklärt werden, versteht man das Buch und seinen roten Faden sehr gut, auch wenn viele Begriffe zuvor unbekannt waren. Das Buch orientiert sich an aktuellen Beispielen aus der deutschen, amerikanischen und russischen Politik und schwenkt immer wieder nach Mazedonien aus, was es sehr interessant macht und wodurch man einen Bezug zur Aktualität findet. Dem Leser werden eine Checkliste und ein Haufen Fragen an die Hand gegeben, um Fake News als solche zu identifizieren und den Verfasser auf Wahrhaftigkeit zu untersuchen.

Da uns Fake News tagtäglich begegnen oder man sich mit anderen Menschen über die neuesten News unterhält, ist es sehr spannend, die Hintergründe über Fake News zu lesen. Wie sich Fake News auch unbewusst in unser Gedächtnis schleichen können und wie wir den Erfolg von Fake News etwas eindämmen können, wird dem Leser hier gut aufgezeigt und erklärt.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Populismus-Einführung bei der bpb

Seit heute ist eines der besten Bücher zum Thema Populismus, die deutsche Übersetzung der "sehr kurzen" Einführung von Mudde/Rovira Kaltwasser bei der bpb für 4,50 € bestellbar. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen...

Sonntag, 5. Januar 2020

Klimawandelleugnung und Rechtspopulismus

Am 15. November 2019 fand in den Räumlichkeiten der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin eine Veranstaltung zum Thema "Klimaleugnung, Klimaskepsis, Rechtspopulismus" der Vortrags- und Diskussionsreihe "Gesellschaftsvisionen - gemeinsam für eine offene, pluralistische, demokratische Gesellschaft" statt.


Prof. Dr. Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) und Alexander Carius (Adelphi Berlin) setzten sich im Rahmen ihrer kurzen Vorträge sowie einer anschließenden Diskussionsrunde, bei welcher auch Luisa Neubauer (Fridays for Future) dabei war, mit den Argumentationsmustern rechter Klimawandelleugner auseinander.

Samstag, 28. Dezember 2019

Rezension zu Jan Skudlarek: Wahrheit und Verschwörung

Skudlarek, Jan (2019), Wahrheit und Verschwörung. Wie wir erkennen, was echt und wirklich ist, Reclam.

Rezension

Autorin: Charoula Kostakopoulou

Jeder, der ein elektronisches Gerät besitzt, ab und an in sozialen Netzwerken unterwegs ist oder den Fernseher einschaltet, wird mit Begriffen wie Fake News oder Verschwörungstheorien konfrontiert. Und wir alle glauben, dass wir uns gut mit dem Thema auskennen, eben weil wir täglich davon hören. Jan Skudlareks Buch „Wahrheit und Verschwörung“ ermöglicht uns einen anderen Blickwinkel auf Geschehnisse, die wir nie hinterfragt haben, und alles belegt durch Quellen und Beispiele.