Donnerstag, 1. Oktober 2026

Selbstinszenierung im italienischen Rechtspopulismus: Meloni und Berlusconi im Vergleich

Einleitung 

„Ich bin Giorgia. Ich bin eine Frau. Ich bin eine Mutter. Ich bin Italienerin. Ich bin Christin. Und das werde ich mir nicht nehmen lassen.“ (Meloni, 2021, S. 8). Wie Giorgia Meloni in ihrer Biografie berichtet, rief sie diesen Satz am 19. Oktober 2019 auf der Piazza San Giovanni in Rom vor rund 200.000 Menschen in das Mikrofon. Sie ahnte selbst noch nicht, welche Dynamik sie damit auslöste. Zwei Mailänder DJs verwandelten die Aufnahme in einen elektronischen Disco-Remix, der eigentlich als politische Satire gedacht war, um ihre Aussagen ins Lächerliche zu ziehen (vgl. Meloni, 2021, S. 8).

Meloni beschreibt, wie das Gegenteil geschah. Der Song habe sich zu einem viralen Hit entwickelt, der in den italienischen Clubs rauf und runter gespielt wurde. Was als Angriff geplant war, machte Meloni bei jüngeren Wählerschichten bekannt und wandelte das Bild der eher trockenen Politikerin in das einer popkulturellen Identifikationsfigur (vgl. Meloni, 2021, S. 8).

An diesem Beispiel kann man etwas Typisches für die heutige politische Entwicklung sehen. Nicht Parteibindung, sondern Identifikation mit politischen Kandidaten wird immer wichtiger. Im Falle Melonis zeigte sich das spätestens bei den italienischen Parlamentswahlen am 25. September 2022. Melonis Partei Fratelli d’Italia steigerte ihren Stimmanteil von 4 % im Jahr 2018 auf 26 % und führte das rechte Wahlbündnis zu einer absoluten Mehrheit in beiden Parlamentskammern (vgl. Braun, 2024, S. 7–8). Damit übernahm Meloni als erste Frau das Amt der italienischen Regierungschefin.